Vergiftungen durchs Abnehmen ?

Risiko bei Gewichtsabnahme: langlebige organische Schadstoffe im Körper

Bei Menschen, die über einen langen Zeitraum viel Gewicht verloren hatten, fanden sich im Blut hohe Mengen von langlebigen organischen Schadstoffen, kurz: POPs, nach „Persistent organic pollutants“, wie eine aktuelle Studie, die im International Journal of Obesity veröffentlicht wurde, berichtet. Die zumeist aus Chlor- und Kohlenstoffatomen zusammengesetzten POPs sind als Risikofaktoren zum Beispiel für rheumatische Arthritis, Bluthochdruck und Diabetes bekannt.

Gifte gelangen beim Abbau von Fettgewebe in die Blutbahn

POPs sind organische Verbindungen, die sehr widerstandsfähig gegen natürliche Zersetzung sind und sich nicht so leicht aufspalten lassen. Sie können aus natürlichen Prozessen entstanden sein, gehäuft treten jedoch die chemisch hergestellten Verbindungen auf, die zum Beispiel in früheren Insektiziden enthalten waren oder als Nebenprodukt bei Verbrennungsprozessen entstehen. POPs können sich sowohl auf das Hormonsystem als auch das Immunsystem in vielerlei Art empfindlich auswirken, sie werden als Ursache für neurologisch bedingte Verhaltensstörungen bis hin zu einigen Krebsarten angesehen. Wissenschaftler vermuten, dass eine erhöhte Konzentration von POPs im menschlichen Körper vor allem durch Umwelteinflüsse entsteht.
Studienleiter Dr. Duk-Hee Lee von der Kyungpook National University in Daegu/Südkorea erklärt, dass POP-Verbindungen sich normalerweise im Fettgewebe einlagern. Wenn aber das Fettgewebe während einer Diät reduziert wird, gelangen sie in die Blutbahn und können so auch wichtige Organe wie das Herz oder das Gehirn erreichen.

Studie bescheinigt nach langfristiger Gewichtsabnahme die höchsten POP-Konzentrationen

Bislang gab es nur sehr wenige Untersuchungen über die Zusammenhänge zwischen langfristigen Diäten und dem Level der POPs im Blut. Dr. Lee und seine Kollegen verglichen nun die Gewichtsdaten von 1099 Amerikanern über zehn Jahre und maßen deren POP-Konzentration im Blut. Sie fanden heraus, dass diejenigen, die über einen Zeitraum von zehn Jahren das meiste Gewicht verloren hatten, die höchsten POP-Mengen aufwiesen. Im Vergleich dazu lagen die Werte sowohl bei denjenigen niedriger, deren Gewicht nahezu unverändert geblieben war, als auch bei denen, die auf lange Sicht zugenommen hatten. Dr. Lee führt aus, dass es zwingende Beweise für die Gefahren der POPs als Krankheitsauslöser gibt, wie Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, koronare Herzerkrankungen, Zahnerkrankungen und rheumatische Arthritis. Ihre Ergebnisse könnten als Erklärung dafür dienen, warum einige Menschen ein höheres Risiko für Demenz, Herzkrankheiten und andere ernsthafte Beschwerden tragen, nachdem sie abgenommen haben.

Schaden und Nutzen einer Diät: Warnung vor Gewichtsschwankungen

Nach Ansicht des Forscherteams sollten weitere Studien sich künftig mit einer Abwägung der Risiken zwischen den Vor- und Nachteilen der Gewichtsabnahme befassen. Außerdem ist bislang nicht erwiesen, ob tatsächlich die POPs bei zuvor übergewichtigen Menschen spätere Erkrankungen auslösen, oder ob diese als Spätfolgen aus dem früheren Übergewicht resultieren.
Obwohl Gewichtsabnahme mit Sicherheit positive Wirkungen auf einige gesundheitliche Aspekte hat, während erhebliche Zunahme mit enormen Risiken verbunden ist, warnt Dr. Lee eindringlich vor großen Gewichtsschwankungen, denn starker Gewichtverlust kann möglicherweise mehr Schaden als Nutzen bringen.