Die Gefahren des Berggehens

unter besonderer Berücksichtigung der Frauen, die sich nicht allein getrauen...
Viele Frauen scheuen sich, allein in den Bergen bzw. Wäldern rumzulaufen. Nachdem man andererseits selten jemand findet, der zur gleichen Zeit Zeit hat und sich auf gleichem Trainingsniveau befindet, ist dieses diffuse sich-allein-unwohl-Fühlen das Karrierehindernis Nr. 1 beim Berggehen. Also beleuchten wir das einmal:
Die meisten Bergtoten in den Alpen sind nicht aufgrund von Schlechtwetter, Blitz, Steinschlag, Schneetreiben, Absturz, Gemsenbissen und was sonst noch zu beklagen, sondern aufgrund von Herzschlag.
Es ist daher, wenn man sehr übergewichtig oder in einem allgemein schlechten Gesundheitszustand oder nicht mehr ganz frischgeschlüpft ist keine schlechte Idee, mal sein Herz durhchecken zu lassen, ehe man loslegt. Weil man dann eben noch vorsichtiger und kontrollierter herangeht und sich nicht unkontrolliert verausgabt (was Anfängern auf Bergstrecken nun mal leicht passieren kann).
Prinzipiell gibt es aber nicht gesünderes und heilsameres für ein angegriffenes Herz als wenn man den Puls tüchtig - aber kontrolliert - längere zeit in die Höhe treibt. Auch Bypass-Patienten gehen auf ärztlichen Rat in die Berge wandern!

Gefahren durch das Wetter

Über die alpinen Gefahren im Hochgebirge soll hier nicht die Rede sein - darüber wissen die Bewohner dieser Regionen selbst drüber Bescheid und wer einen Ausflug ins Hochgebirge plant, sollte sich rechtzeitig entsprechend informieren und für eine adäquate Ausrüstung sorgen.
In den eher nur sanftwelligen bis hügeligen Gegenden, die der abspeckende normaldeutsche Berggeher frequentiert, droht:

Regen

Von ein paar Regentropfen stirbt man nicht - Regenjacke umschnallen, wenn das Wetter unsicher wirkt

Gewitter

Darüber gibt die Wettervorhersage relativ zuverlässig Auskunft - zur Not die Route so wählen, dass man rasch wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren kann. Gewitter kommen selten aus völlig heiterem Himmel heraus.

Sturm

Die absolut größte Wetter-Gefahr im Wald. Nicht lustig, wenn man einen schweren abgebrochenen Ast auf den Kopf kriegt. Wie groß die Gefahr aktuell ist, sieht man auf dem Weg, den man vor sich hat. Liegen da bloß kleine abgebrochene Zweige und Blätter, ist es nicht so schlimm. Liegen schon größere Äste herum und kracht's rundum im Wald, ist es heute vielleicht doch nicht der beste Tag für einen Waldmarsch...

Tiere

In Mitteleuropa geht's uns wirklich gut. Keine Tiger. Keine Krokodile. Keine wildgewordenen Elefanten.
Kreuzottern in höheren Lagen (Alpen) oder - im Norden Deutschlands - auch in tieferen Regionen. Sie sind sehr scheu und man muss schon sehr blind (und schnell) querfeldein stapfen, um mit einer Giftschlange in Clinch zu kommen.
Wildschweine können unangenehm werden, wenn es Bachen sind die Junge führen. Das ist im Frühjahr der Fall, aber selten gehen Wildschweinmütter auf Wanderwegen spazieren. Wenn ja, bleibt man still stehen und lässt sie passieren. Ansonsten sind Wildschweine nicht daran interessiert, Wanderer zu verspeisen. Selbst wenn man ganz nah an ihnen vorbeigeht, bleiben sie schlau, gelassen und gut versteckt im Unterholz liegen und warten in aller Ruhe ab, bis die Störenfriede vorbei sind.

Menschen

Hier kommen wir den diffusen Befürchtungen wohl näher.

Überlegen wir mal: Wird ein Mörder, Dieb oder Vergewaltiger einen längeren Wald/Bergmarsch in Kauf und die Gefahr auf sich nehmen, dass er sich anstrengt und kein geeignetes Opfer findet?
Ist ein Wanderer/Berggeher jemand, bei dem man edlen Schmuck und das große Geld holen kann? Entspricht eine sportlich in Waldkluft den Berg hochschwitzende Frau dem Beuteschema vom zarten schwachen Weibchen, das ein Vergewaltiger vor Augen hat? Vergewaltiger sind schwache Männer, die als Opfer Frauen suchen, von denen sie annehmen, dass sie noch schwächer sind als sie selbst. Ein starker Mann hat es nicht nötig, sich eine Frau auf diesem Weg zu "nehmen".
Nein, das Bild passt nicht. Eine Berggeherin passt nicht ins Opferschema des Vergewaltigers, sie trägt keine Reichtümer mit sich um dem Dieb lange Zähne zu machen - und was den Mord betrifft: üblicherweise suchen sich Mörder ihre Opfer aus, es gibt einen "Grund" zu morden. Nur Wahnsinnige, die frei herumrennen, bringen jemand um, weil er/sie einfach gerade greifbar ist und niemand zusieht. Solche Wahnsinnigen rennen aber selten frei herum und vor allem wäre es schon äußerst verdammtes Pech, wenn sie sich gerade dann zu einem schweißtreibenden Bergmarsch entschließen, wenn eine sportlich berggehende Frau das auch gerade getan hat. Die finsteren Ecken im Stadtpark sind unter diesem Aspekt bedeutend gefährlicher - und: es kann einem genausogut daheim ein Dachziegel auf den Kopf fallen. Bloß: wer aus Furcht daheim unter dem Dach stehen bleibt, tut sich mit dem Abspecken unendlich viel schwerer...

Gespenster

Gegen die ganz diffusen Ängste, das Grauen vor dem weiß-nicht-was hilft ein tüchtiger Waldmarsch, der die bösen Gedanken vertreibt. Und keine Gruselfilme ansehen.

Verletzungen

Um wieder realistischer zu werden: Als Berggeher ist man ab und zu vielleicht auf Pfaden unterwegs, wo nicht alle paar Minuten jemand vorbeikommt und die nächste Hilfe etwas weiter weg ist.
Trittsicher unterwegs sein, sehen wohin man steigt ist selbstverständlich, wenn man allein loszieht. Gut, wenn man ein Handy dabei hat und die Namen markanter Punkte der Gegend soweit im Kopf hat, dass man zur Not eine ungefähre Orstbeschreibung abgeben kann. (Was nicht der Fall ist, wenn man keine Ahnung hat, wie all die Gegend rundum sich nennt)
Besonders leicht passiert im Gelände/auf Stegungen ein Fehltritt, wenn man hoch hinauf zur Bergspitze oder zu den Baumwipfeln etc sieht (was den Gleichgewichtssinn irritiert) und dabei nicht aufpasst, wo man hintritt.