Ernährungstagebücher helfen beim Abnehmen

Wer abnehmen möchte, sollte sich einige Verhaltenstaktiken, wie das Führen eines Ernährungstagebuchs, angewöhnen, da sich diese positiv auf den Gewichtsverlust auswirken. Zu diesem Ergebnis gelangte eine randomisierte Multicenter-Studie in den USA, die erstmals am 8. Juli 2008 in der medizinischen Zeitschrift „American Jounal of Preventive Medicine“ veröffentlicht wurde.
Ergebnis: Abnehmen gelingt durch Verhaltensänderung, Ernährungsumstellung und körperliche Aktivität
Vor allem das Zusammenspiel von gesünderer Ernährung und körperlicher Aktivität sei entscheidend für den Erfolg des Gewichtsverlustes, unabhängig davon, ob es sich um kurzfristige Ziele oder eine Abnahme über einen länger geplanten Zeitraum handele, so die Wissenschaftler der Studie.
Durch verschiedene Strategien kann eine Person lernen, das eigene Verhalten in diesen beiden Bereichen zu analysieren, und dieses dann gegebenenfalls an ursprünglich gesetzte Ziele anzupassen. Eine der Strategien ist beispielsweise das Führen eines Tagebuchs, in dem festgehalten wird, was und in welcher Menge gegessen wird.

Die Studie

Die 30-monatige Versuchsreihe verglich verschiedene Strategien zur Gewichtsabnahme. Davon beschreibt die genannte Studie Methoden und Resultate für den anfänglichen Gewichtsverlust in Phase 1, die sechs Monate dauerte und nicht randomisiert war. Ob die Teilnehmer ihr Gewicht halten konnten oder ob weitere statistisch signifikante Auffälligkeiten während der Hauptstudie beobachtet werden konnten, und welchen Effekt die Randomisierung hatte, darüber ist nichts bekannt.
Die Teilnehmer mussten bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Das Mindestalter lag bei 25 Jahren, jede Testperson musste übergewichtig oder adipös sein ,d.h.ein Body-Mass-Index (BMI) zwischen 25-45, und sie musste sich in medikamentöser Behandlung gegen Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte befinden.
Sozioökonomische, psychosoziale und demografische Daten wurden zu Beginn der Studie und nach 6 Monaten erfasst. Alle 1685 Versuchspatienten nahmen an insgesamt 20 wöchentlichen Gruppensitzungen teil, um sich gegenseitig zu motivieren, sich an die Diät zu handeln, aber auch regelmäßig Sport zu treiben.
Insgesamt bestand die Studiengruppe aus 44% Afroamerikanern, 67% Frauen und 79% Adipösen (BMI > 30). Blutdrucksende Mittel erhielten 87% aller Teilnehmer und 38% erhielten Medikamente gegen zu hohe Blutfettwerte. Vor allem die aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit oder Geschlecht gebildeten Untergruppen verloren durchschnittlich auffällig an Gewicht, und zwar fast sechs Prozent und mindestens 4kg in 69% aller Fälle. Dabei konnte gezeigt werden, dass sowohl ein höheres Ausgangsgewicht als auch mehr Initiative beim Sport, den Gruppensitzungen oder genauere Tagebuchaufzeichnungen einen höheren Gewichtsverlust bedingten. Im Durchschnitt nahmen die Teilnehmer weiterhin an 72% aller Gruppensitzungen teil, gaben an, sich 117 Minuten moderat körperlich bewegt zu haben, und notierten 3,7 mal in der Woche vollständig, was und wie viel an dem jeweiligen Tag gegessen wurde.

Studie Repräsentativ für die Allgemeinheit?

Aufgrund der Ausgangsdaten und aufgrund der Tatsache, dass die Eingangsvoraussetzungen sehr restriktiv waren, ergibt sich die Frage, inwieweit die Ergebnisse repräsentativ für eine Allgemeinheit sind. Insbesondere die Verbindung von beispielsweise einer ethnischen Zugehörigkeit und bestimmten körperlichen Merkmalen wird nur auf eine kleine Bevölkerungsgruppe zutreffen.
Auch die Aufzeichnungen an sich werfen Fragen auf: Details aus den Tagebüchern sind nicht bekannt und es handelte sich um Eintragungen, die die Versuchspersonen selbst vornahmen. Solange diese Daten nicht bekannt sind, darf die Verlässlichkeit angezweifelt werden. Außerdem ist nicht geklärt, welche Folgen es hat, wenn sich eine Person dazu entschließt, keine Aufzeichnungen mehr darüber zu machen, ob und wie viel gegessen oder wann und wie lange Sport getrieben wurde.
Darüber hinaus wurden neben dem Ernährungstagebuch auch andere Maßnahmen zum Abnehmen ergriffen, wie z.b. Sport oder Gesprächstherapien. Ob und in welchem Maß beispielsweise das Führen eines Ernährungstagebuchs zu einem Gewichtsverlust führt, ist aufgrund der Ergebnisse nicht eindeutig zu belegen.

Resümee

Das Führen eines Ernährungstagebuchs kann hilfreich für einen Abnehmprozess sein, soviel steht fest. Inwieweit jedoch ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen diesem speziellen Faktor (oder jeder anderen Maßnahme) und der Menge an verlorenem Gewicht besteht, ist aber weiterhin nicht klar. Auch viele andere Fragen sind nicht geklärt, die sich bei der Lektüre der vorgestellten Studie ergeben. Aber schaden kann es nie, das eigene Verhalten kritisch zu reflektieren.
Quelle:Hollis JF, Gullion CM, Stevens VJ, et al. Weight Loss During the Intensive Intervention Phase of the Weight-Loss Maintenance Trial. Am J Prev Med 2008; 35:118-126