Rhabarber
Allgemeines
Häufig wird Rhabarber für Obst gehalten, zählt aber als zu der Familie der
Knöterichgewächse (Polygaceae) gehörig botanisch zu den Gemüsen, zu den
Staudengemüsen. Sein lateinischer Name „Rheum rhabarbarum“, was übersetzt so
viel wie „Wurzel der Barabaren“ heißt, geht auf die damalige Sicht seiner
Herkunft zurück. Vor etwa 5000 Jahren kannten die Chinesen in Tibet schon die
gesundheitsfördernde Wirkung von Rhabarber und stellten aus den Wurzeln der in
den Steppen wachsenden Pflanze ein Pulver her, das gegen Darmträgheit, aber
auch gegen die Pest eingenommen wurde. Die Stängel nutzte man noch nicht. Unser
Gemüserhabarber stammt von dieser Naturform (Rheum palmatum, Rheum
officinalis) ab. Erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts gelangte der Rhabarber
über Russland und Persien zunächst nach England, wo man begann, die fleischigen
Blattstiele als Gemüse zu nutzen, und von dort weiter in das übrige Europa. In
Südrussland sowie im Himalaya und in Tibet wächst Rhabarber noch heute wild. In
Europa dagegen wird er seit seiner Einführung in sehr vielen Ländern, in
Deutschland in fast allen Bundesländern, kultiviert.
Rhabarber wird überwiegend in Freilandkultur gezogen, jedoch gern, um die Ernte
zu beschleunigen, teilweise mit Folie abgedeckt. Die Erntezeit ist relativ
kurz, nur von April bis Juni. Traditionell ist der Johannistag, der 24. Juni, der
letzte Erntetag. Danach ist der Oxalsäuregehalt zu hoch, und die Pflanzen
benötigen zudem eine Ruhephase für die Regeneration.
Die Wurzeln des Rhabarber verbleiben über den Winter im Boden. Bereits im Januar
decken die Bauern ihre Rhabarberfelder mit großen Folien ab, um das Wachstum der
Stangen aus den Wurzeln zu befördern, da schon um diese Zeit das Austreiben
beginnt. Im März entfernen sie die Folien wieder, damit die Blätter nun unter
Freiluft üppiger und die Stangen dicker werden. Geerntet wird Rhabarber, indem
man die fleischigen Blattstiele dicht über dem Wurzelwerk abdreht, nicht
abschneidet. Um der Pflanze nicht zu viel Kraft zu nehmen, verwendet man immer
nur einige Stangen pro Pflanze.
Besonders mild schmeckt der noch jung geerntete Rhabarber. Der Säuregehalt
nimmt mit zunehmendem Alter zu, und die Stangen werden faseriger.
Sorten
Die verschiedenen Sorten des Rhabarber unterscheiden sich grob durch die Farbe
ihrer Haut und des Fruchtfleisches. Die Sorten mit grüner Haut und grünem
Fleisch enthalten die meiste Säure, und die Stangen sind meist dicker, der mit
roter Haut und grünem Fleisch ist deutlich milder. Der mildeste ist der mit roter
Haut und rotem Fleisch, der ein himbeerähnliches Aroma hat. Er ist relativ
selten auf dem Markt zu finden und deshalb teurer als die anderen Sorten.
Inhaltsstoffe und Gesundheit
Rhabarber ist mit 10 bis 29 Milligramm pro 100 Gramm Rohware besonders
Vitamin-C-reich und kann mit dieser Menge bereits ein Drittel des Tagesbedarfs
decken. Der Gehalt an anderen Vitaminen ist eher durchschnittlich.
Hervorzuheben ist der hohe Gehalt an Kalium mit 80 Milligramm pro 100 Gramm
Rhabarber. Kalium hat eine entwässernde Wirkung und fördert den
Nährstofftransport vom Blut in die Körperzellen. Das ebenfalls in
nennenswerten Mengen enthaltene Natrium regt die Darmbewegung an und ist damit
verdauungsfördernd. Hinzu kommt eine blutreinigende Wirkung, so dass
Rhabarber für eine Entschlackungskur im Frühjahr wie geschaffen ist. Außerdem
sind noch Eisen, Kalium für die Knochenbildung und Phosphor enthalten.
Rhabarber ist sehr kalorienarm, was für den Verzehr allerdings durch die
Erfordernis, wegen der starken Säure Zucker zusetzen zu müssen, wieder
aufgehoben wird. Die enthaltenen Fruchtsäuren sind verantwortlich für das
erfrischende Aroma und regen den Appetit an.
Enthält auch Rhabarber selbst viel Calcium, gilt es dennoch wegen seines
Gehaltes an Oxalsäure, die sich mit Calcium, beispielsweise aus
Milchprodukten, zu unlöslichen Calciumsalzen verbindet und damit die
Verwertbarkeit dieses Calciums für den Körper verhindert, als
„Calcium-Räuber“. Bei ausreichender Calcium-Versorgung des Körpers spielt
das aber keine Rolle. Außerdem befindet sich die Oxalsäure hauptsächlich in den
Blättern, die man ja nicht mitisst, und nur in geringem Umfang in den Stängeln.
Wer unter Magen- oder Nierenproblemen leidet, sollte mit dem Genuss von
Rhabarber etwas vorsichtig sein und keine zu großen Mengen auf einmal
verzehren, ebenso Menschen, die zu Durchfall neigen. Die Oxalsäure kann bei
empfindlichen Menschen eine ätzende Wirkung im Magen- und Darmbereich
entfalten. Isst man Rhabarber zusammen mit Milch oder Sahne, neutralisiert
diese die Säure durch das enthaltene Calcium.
Einkauf und Lagerung
Beim Einkauf sollte man darauf achten, dass die Stangen fest sind und an den
Schnittstellen nicht ausgetrocknet.
Für einige Tage kann man Rhabarber, geputzt und in ein feuchtes Tuch gewickelt,
aber nicht luftdicht abgeschlossen, im Kühlschrank frisch halten. Bis zu einem
Jahr hält sich Rhabarber im Tiefkühlfach, roh, gewaschen, ungeschält und in
ganzen Stangen eingefroren. Aber auch fertiges Kompott lässt sich gut
einfrieren.
Verwendung
Ist Rhabarber auch eigentlich ein Gemüse, wird er doch in der Regel wie Obst
verwendet, als Kompott oder in Süßspeisen, als Marmelade oder als Kuchenbelag
oder -füllung. Um die Säure auszugleichen, muss Rhabarber reichlich gezuckert
werden. Um die Speise kalorienärmer zu halten, da Rhabarber selbst kaum
Kalorien enthält, kann er auch mit Süßstoff oder Honig abgeschmeckt werden.
Dünstet man den Rhabarber in Apfelsaft, kann man ihm auch schon Einiges an Säure
nehmen.
Es gilt, einige Grundregeln zur Verarbeitung und zum Verzehr von Rhabarber zu
beachten. Die Blätter und Blattansätze sind giftig und dürfen deshalb nicht
gegessen werden. Giftige Stoffe könne entstehen, wenn man Rhabarber in
Metallgefäßen verarbeitet oder mit Alufolie in Berührung bringt, da sich die
Säuren mit Metallen verbinden. Außerdem entstehen durch Metalle
Geschmacksveränderungen. Roh sollte man selbst ganz jungen Rhabarber nicht
verzehren. Die Haut muss man bei den jungen Stangen jedoch nicht abziehen. Sie
ist zart genug, um mit gegessen zu werden.
Vor dem Zerkleinern sollte man die Rhabarberstangen waschen und sie sodann in
Stücke scheiden, besonders dicke Stangen eventuell vorher halbieren.
Die Eigensäure des Rhabarbers mildern kann man auf verschiedene Weise: Wenn man
mit Zucker süßen will, tut man das am wirkungsvollsten erst nach dem Garen und
Abkühlen; so erhält man die volle Süßkraft des Zuckers. Zum Rhabarberkompott
kann man süßere Früchte hinzufügen wie Bananen, süße Äpfel, Sultaninen oder
eingeweichte Trockenpflaumen, und diese mitkochen. Für Süßspeisen oder
Kuchen kann man Eischnee zugeben. Milch oder flüssige Sahne oder auch diese
enthaltende Saucen oder Puddings machen Rhabarber bekömmlicher und gleichen
die Säure zum Teil aus. Allerdings werden dann auch Calciumsalze gebildet, was
aber für den gesunden Menschen kein Problem darstellt.
Hinweis
Jeder kennt sicherlich das stumpfe, pelzige Gefühl an den Zähnen nach dem Genuss
von Rhabarber. Dies rührt daher, dass man meist Rhabarber zusammen mit Milch
oder Milchprodukten verzehrt. Dabei bilden sich aus dem Calcium der Milch und
der Oxalsäure des Rhabarbers Calciumoxalate, die sich an den Zähnen
festsetzen.