Spargel
Als Spargel verzehren wir die Sprossen einer Staudenpflanze. Die
traditionellen botanischen Systeme zählten den Spargel (Aspáragus) zu der
Familie der Liliengewächse (Liliaceae). Neuer wissenschaftliche Systeme
nennen die Familie, der der Spargel angehört, heute „Spargelgewächse“
(Asparagaceae).
Man nimmt an, dass die Spargelpflanze ursprünglich aus den Sandsteppen und
Küstengebieten Vorderasiens und Osteuropas stammt. Schon im alten Ägypten aß
man vor etwa 4500 Jahren Spargel, und auch die Griechen und Römer liebten ihn. In
Regionen mit gemäßigtem bis warmem Klima wird Spargel heute weltweit angebaut.
In Deutschland ist nur der Aspáragus officinalis wild wachsend und angebaut in
Kultur zu finden.
Im Jahre 1568 wurde in Deutschland zum ersten Mal Spargel gestochen, und zwar in
Stuttgart. Heute wird in mehreren Bundesländern Spargel in größerem Umfang im
Freiland angebaut, vor allem in Bayern, Nordbaden, Mittel- und Oberfranken,
Rheinland-Pfalz und Niedersachsen. In einigen Gegenden gibt es richtige
„Spargeldörfer“, die sich auf dieses Gemüse spezialisiert haben. Die
Erntesaison ist nur relativ kurz, von Anfang Mai bis zum 24. Juni. Am Johannistag
endet traditionell die Spargelsaison für einheimischen Spargel. Eingeführt
wird bei uns Spargel aus Belgien, Frankreich, Spanien, Griechenland und den
Niederlanden, aber auch aus Südafrika, Chile und den USA.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam das Heranziehen des Bleichspargels in
Erdwällen auf. Bis dahin verwendete man nur den Grünspargel. Da Spargel nur weiß
bleibt, wenn er unter der Erde steckt, zieht man ihn in angehäufelten
Hügelbeeten. Sobald die Erde Risse bekommt, was darauf hindeutet, dass der
Spross durch die Oberfläche bricht, wird der Spargel „gestochen“. Wächst der
Kopf des Spargels aus der Erde heraus, verfärbt er sich unter dem Lichteinfluss
zunächst violett und später grün. Zieht man Spargel auf ebenen Beeten und lässt
ihn aus der Erde sprießen, erhält man Grünspargel, der besonders in Frankreich
und der Schweiz sehr beliebt ist.
Der Spargel gehört zu den an trockene Standorte angepassten Xerophyten
(Trockenpflanzen). Er besitzt nur noch stark zurückgebildete Laubblätter, um
Feuchtigkeitsverlust durch Transpiration zu vermindern, und sogenannte
„Scheinblätter“ (Phyllokladien), die Nadeln, die wie Blätter der
Photosynthese dienen, aber eine verdunstungsarme kleine Oberfläche haben.
Auch haben sie sehr dicke, tiefreichende Wurzeln am Wurzelstock, die bis zu
sechs Meter lang werden können und nicht nur der Wasseraufnahme, sondern auch
der Speicherung von Nährstoffen dienen, auch dies eine Anpassung an trockene
Bedingungen.
Die Spargelstangen, die bei der Ernte gestochen werden, sind Sprossen aus der
Oberseite des Wurzelstocks. Nach der Ernte verbleibt der Rest der
Spargelpflanze auf dem Feld. Im Herbst verfärben sich die Stängel, Blätter und
Scheinblätter braun und sterben ab, während sich schon neue Knospen am
Wurzelstock gebildet haben, aus denen im nächsten Frühjahr wieder
Spargelstangen wachsen. Dieser Wurzelstock (Rhizom) überwintert in der Erde.
Sowie bei steigender Temperatur eine Erwärmung des Bodens einsetzt, beginnen
bei einer Bodentemperatur von etwa 12 Grad Celsius aus den schon im Herbst
angesetzten Knospen am Wurzelstock die Spargelstangen in Richtung
Erdoberfläche zu wachsen, je wärmer, desto schneller.
In der Natur sind Spargelpflanzen zweihäusig, also entweder männlich oder
weiblich, wobei die Blüten der männlichen Pflanzen länger und intensiver gelb
sind als die der weiblichen Pflanzen. Normalerweise blüht Spargel von etwa
Mitte Mai bis Ende Juli. Durch das Abstechen der Triebe wird bei den
Kulturpflanzen die Blüte um ein bis zwei Monate hinausgezögert. Die weiblichen
Spargelpflanzen setzen nach der Blüte Früchte an, zunächst grüne, kleine
Beeren, die sich später im August ziegelrot färben und für den Menschen
ungenießbar sind, von Vögeln aber gern gefressen werden. Die für sie
unverdaulichen Samen scheiden sie wieder aus und tragen zur Verbreitung des
Spargels bei.
Da man schon im 19. Jahrhundert entdeckt hat, dass männliche Pflanzen mehr Ertrag
bringen, da sie früher anfangen zu wachsen und insgesamt mehr Stangen
produzieren, sind die heute angebauten Hybridpflanzen größtenteils
männlich.
Sorten
Bleichspargel, also die weißen Spargelsorten, sind im Geschmack milder als die
grünen Sorten mit hell- bis mittelgrünen Köpfen und Stangen, die würziger und
kräftiger schmecken. Einige neuere Züchtungen sind inzwischen auf dem Markt
mit violetten, rosa oder bläulichen Farbtönen. Weißer Spargel mit violetten
Köpfen wird erst gestochen, wenn die Köpfe aus der Erde gewachsen sind. Der
Geschmack ist etwas würziger als beim weißen Spargel.
Bleichspargelsorten sind zum Beispiel „Schwetzinger Meisterschuss“,
„Huchels Leistungsauslese“, „Rekord“ und „Optima“. Bekannte
Grünspargelsorten sind gehören „Huchels Schneewittchen“, „Spaganiva“,
„Oyster Bay“ und einige französische Sorten.
Inhaltsstoffe und Gesundheit
Spargel enthält wichtige Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, Phosphor und
Eisen ist reich an den Vitaminen Provitamin A, B1, B2, C und E. Außerdem enthält
Spargel 1,5 Prozent Ballaststoffe und hat dadurch eine verdauungsfördernde
Wirkung. Neben dem Kaliumgehalt sind die sekundären Pflanzenstoffe, die im
Spargel enthalten sind, Saponine und Fructane, der Entschlackung und
Entwässerung dienlich. Damit ist das zudem noch sehr kalorienarme Gemüse sehr
gesund und gut für die schlanke Linie. Spargel besteht zu 95 Prozent aus Wasser.
Außerdem zählt der Spargel zu den folsäurehaltigsten Gemüsen.
Vitamin C ist am meisten in der Spargelspitze enthalten. Der chlorophyllhaltige
grüne Spargel ist vitaminreicher als der weiße Spargel.
Der charakteristische Spargelgeschmack beruht auf den enthaltenen
schwefelhaltigen ätherichen Ölen und Vanillin.
Dass schon seit Jahrhunderten bekannt ist, dass der Spargel beachtliche
medizinische Wirkungen hat, geht schon aus dem botanischen Namen „Aspáragus
officinalis“ hervor, denn officinalis ist das lateinische Wort für „Arznei“.
Die starke entwässernde und entschlackende Wirkung durch die Kaliumsalze und
Asparaginsäure trug dem Spargel auch den Namen „Nierenpolizei“ ein. Einzig
Menschen, die zu Nierensteinen oder Gicht neigen, sollten mit dem Verzehr von
Spargel vorsichtig sein, da sich bei ihnen der Puringehalt ungünstig auswirken
kann.
Einkauf und Lagerung
Von etwa Mitte April oder Anfang Mai bis Ende Juni ist der deutsche Spargel auf dem
Markt und dann natürlich nicht zu übertreffen, was die Frische angeht. Beim
Einkauf sollte man darauf achten, dass die Stangen feste, geschlossene und
unbeschädigte Köpfe aufweisen. Ein Frischetest: Beim Aneinanderreiben
knistert frischer Spargel. Er sollte leicht zu brechen und die Schnittstellen
hell und nicht zusammengeschrumpft sein sowie saftig beim Eindrücken mit dem
Fingernagel. Hat Spargel braune oder graue Schnittstellen, ist er schon länger
gelagert worden.
Eine Lagerung von frisch gestochenem Spargel sollte kühl, feucht und dunkel
erfolgen, am besten nahe null Grad Celsius, ungeschält in ein feuchtes Tuch
eingeschlagen. So welkt der Spargel nicht so schnell und kann bis zu drei Tagen
aufbewahrt werden.
Verwendung
Weißer und weiß-violetter Spargel sollte vor der Zubereitung immer gut geschält
und die Stangenenden großzügig abgeschnitten werden. Besser etwas mehr Abfall
produzieren, als dass der Spargel holzig schmeckt. Wer Lust hat, kann aus den
Schalen und Abschnitten mit ein paar Stücken Spargel dazu noch eine Suppe
kochen.
Beim grünen Spargel muss man nur das untere Drittel schälen, weshalb er sehr
schnell und mit wenig Aufwand zuzubereiten ist. Außerdem ist er auch schnell
gar, 10 bis 15 Minuten je nach Stangendicke. Dann kann man den leicht an junge
Erbsen erinnernden Geschmack genießen.
Gibt man bereits dem Kochwasser einige Zutaten hinzu, schmeckt der Spargel
besonders gut: Eine Prise Muskat, etwas Zitronensaft, einen guten Schuss
Weißwein und natürlich eine Prise Zucker sowie etwas Salz. Die ideale Kochzeit –
in nur wenig Wasser, damit möglichst viel von den Nährstoffen erhalten bleibt -
ist je nach Dicke der Stangen 15 bis 20 Minuten, denn etwas Biss sollte Spargel
noch haben. Wird er zu lange gekocht, wird er wässrig und fad. Kocht man den
Spargel gebündelt, bricht er nicht so leicht und ist einfacher aus dem Topf zu
entnehmen.
Neben der traditionellen Art, Spargel mit einer pikanten Sauce, zerlassener
Butter und Schinken auf den Tisch zu bringen, gibt es noch viele weitere
Verwendungsmöglichkeiten. Kombiniert mit anderen Gemüsen als Mischgemüse,
in Salaten, Aufläufen, als Spargelragout oder Quiche kann man Spargel genießen
und in verschiedenen Rezepten auch gut Reste verwerten oder preiswerten
Suppen- oder Bruchspargel verwenden. Grünen Spargel kann man auf die gleiche
Weise anrichten wie den weißen, wobei das frische Grün gerade in Salaten oder
Mischgemüsen dekorativ wirkt. Aber auch gedünstet oder in Öl gebraten ist
grüner Spargel eine Delikatesse.