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Binge Eating [Beitrag #256187] So, 20 April 2008 02:17 Zum nächsten Beitrag gehen
kraxiquaxi ist gerade offline  kraxiquaxi
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Hallo!
Vor Jahren hatte ich eine schwere Eßstörung, und ich dachte, die hätte ich überwunden- und wäre als Konsequenz übergewichtig gworden. Heute habe ich aber durch Zufall etwas von der Binge Eating Disorder gehört und mir wurde schlagartig bewußt, dass ich auch davon betroffen bin. Aber ist das eigentlich nicht fast jeder, der in diesem Forum ist?!?


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Re: Binge Eating [Beitrag #256191 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] So, 20 April 2008 03:44 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
moria
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hallo kraxiquaxi,

also ich denke nicht, dass man das so pauschal sagen kann.
ich meine, das ist ja sozusagen ein zwanghaftes verhalten, über das man null kontrolle hat.
wäre ja schlimm, wenn das nahezu jeder hätte....
dann müsste man ja auch sagen, jeder, der übergewichtig ist, hat ne pathologische essstörung.....
ich selber muss sagen, ich geniesse eben gerne....aber das setze ich nicht mit einem kontrollverlust gleich.
ich esse gerne, und am liebsten das, was am ungesündesten ist...ich hab aber keine heisshungerattacken, die ich nicht kontrollieren kann, bei denen ich alles wahllos reinstopfe...und dabei gehts bei dieser krankheit.

wünsche dir nen schönen sonntag,
liebe grüsse Razz
Re: Binge Eating [Beitrag #256219 ist eine Antwort auf Beitrag #256191] So, 20 April 2008 11:33 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Bergfex
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Soo, jetzt musste ich erst mal googeln, um nachzusehen was das überhaupt ist, woran angeblich fast jeder hier im Forum "erkrankt" ist: Razz Laughing http://de.wikipedia.org/wiki/Binge_Eating

Mein Fazit: Wer untersucht endlich mal das Syndrom-Syndrom, unter dem offenbar besonders die amerikanischen Psychotherapeuten leiden. (Begreiflich allerdings, stellt doch das Erkennen jedes neuen Syndroms den Nachschub an Patienten sicher, die meinen, von dem neuentdeckten Syndrom geheilt werden zu müssen. Laughing )



Wenn eine Krankheit darin besteht, dass zB die Oma auf Besuch war und dem Kind Schokoladen mitgebracht hat, die eine Woche lang zur Sättigung einer ganzen Kompanie reichen würde, weswegen die Mutter des überausgestatteten Kindes beim Anblick von so viel Schokolade irgendwann auch der Gusto packt und sie sich in einem Anfall von nicht-so-ganz-Kontrolle-gegenüber der Dauer-Lockung den Gegenwert von 600 Kalorien von dieser Überfluss-Schoki reinstopft: Dann also, HUCH!, liegt eine Krankheit vor und wir müssen raschest einen Psychotherapeuten aufsuchen, der uns von diesem anscheinend überraschenden Phänomen, dass man bei totalem Überfluss nun mal leichter und schneller ab und zu die Kontrolle verliert, schleunigst heilt. Razz


Nö, also ehrlich... Laughing Laughing Laughing Laughing




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Re: Binge Eating [Beitrag #256252 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] So, 20 April 2008 12:48 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
criseldis ist gerade offline  criseldis
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ich denke nicht, das zwangsläufig jeder in diesem (oder so einem) forum darunter leidet - aber wer es tut/tat, der erkennt sich.

ich hatte esstörungen - wobei sich diverse formen abwechselten. federführend aber war durchaus binge eating. ich kenne viele dicke, die allerdings NICHT diese symptome haben.
wenn du aber soweit bist, über gewisse grenzen zu gehen, um zu deinem essen zu kommen - weil du das gefühl hast, ohne "stirbst" du... wenn du quasi dabei sogar vor verdorbener ware oder sachen die dir nicht schmecken - nicht zurückschreckst, sogar heimlich vorräte anderer "klauen" würdest, einfach weil in dem moment der drang "über allem" steht... dann kannst du betroffen sein.

ähnlich wie bei bulimie bis du dabei "ausser dir" und kommt das so anfallsartig - und oft über emotionale auslöser die auch ganz banal sein können. das hat wenig damit zu tun, von leckerem essen einfach mehrere teller essen zu müssen, weil man halt nicht wiederstehen kann. das hat auch wenig damit zu tun, das man sich nicht zurückhalten kann, wenn einem ein drittes stück torte angeboten wird oder wenn man die chipstüte nach einem reichlichen mahl aufreisst. das ist nahlt normales "gewohnheitsmäßiges" überessen - durchaus auch ausgelöst durch die nahrumgsmittel selber.

bei mir wars so, das ich mich aus dem "selbstbedienungsladen" der essstörungen bediente wie es gerade passte. und wusste das aber gut 10 jahre nicht - hatte den begriff esstörung nie (für mich) wahr genommen. ich würde auch nicht sagen, das es "schlecht" ist, sich in symptomen wiederzuerkennen. ganz einfach deshalb - weil erst als ich erkannte das ich eine esstörung habe, konnte ich strategien entwickeln, gegen sie zu kämpfen. ich kämpfte nicht mehr gegen mich sondern gegen diese verhaltenssörung (ich mags nicht "krankheit" nennen). definitiv hat mich die erkenntnis dazu gebracht, "gesund" zu werden.

heute bin ich gottseidank geheilt von diesen sachen. zwar nehme ich immer noch leicht zu, und bemühe mich gerade wieder ums abnehmen - aber es hat nichts mehr mit diesen zwanghaften essgewohnheiten zu tun. die sind mir gottseidank fern und der letzte "anfall" liegt schon ein paar jahre zurück. JETZT kann ich wissen, wie es es ist "ganz normal" dick zu werden, oder abzunehmen. und das ist - so sehe ich das - ein haushoher unterschied.


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(Romana Prinoth Fornwagner, *1960, ital. Archäologin und Prähistorikerin)

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Re: Binge Eating [Beitrag #256258 ist eine Antwort auf Beitrag #256252] So, 20 April 2008 13:11 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Bergfex
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OK, was du aufzählst, sind Kriterien, die nicht von der Hand zu weisen sind.

Wenn ich nachts um 2 einen langen Fußmarsch zur Tankstelle auf mich nehme, um ein plötzliches SchokoGelüst zu befriedigen, habe ich wohl irgendein Problem.

Aber wenn sie zuhauf daliegt - bei mir noch dazu in der Brotlade, die so geräumig ist, dass sie zugleich die allgemeine "Naschlade" ist http://www.cosgan.de/images/smilie/boese/a037.gif - also dann würde ich mich eher in die Kategorie der Übermenschen und Halbgötter einordnen, wenn ich da NIENIIIIE umfallen und mal zugreifen würde. Und nicht in die Kategorie der Therapiebedürftigen. Twisted Evil



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Re: Binge Eating [Beitrag #256270 ist eine Antwort auf Beitrag #256258] So, 20 April 2008 14:29 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
kraxiquaxi ist gerade offline  kraxiquaxi
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und auf welche 'Art' denkt ihr über Essen nach? Ich möchte endlich mal aufhören, mich 24/7 ständig (oder zumindest im Hinterkopf) mit dem Thema Essen/ Nahrung/ richige bzw. falsche Ernährung zu beschäftigen- und ich glaube, das ist ein Problem, das leider Gottes wirklich viele betrifft, die sich auch nicht als Eßgestörte bezeichnen- gleichzeitig ist das aber einer der maßgebenden Faktoren für ein dysfunktionales Verhalten...und ich rede natürlich nicht ausschließlich von extremen Formen, sondern auch von schwächeren.
Ich habe nur gestern mit jemanden geredet, der natürlich der Meinung ist, dass Menschen, die übergewichtig sind bloß zu inkonsequent sind abzunehemen...so einfach geht aber die Rechnung nicht auf...und irgendwie scheint eine solche Störung auch eine plausible Erklärung zu sein...keine Ahnung.
Auf jeden Fall hätte meine Frage keine Art von Provokation darstellen sollen, ich wollte bloß eure Meinung dazu hören um mir vielleicht auch selbst klarer über das ganze zu werden.

ich glaube die Differenzierung die Bergfex gemacht hat ist schön- mit der Schoko in der Lade. Abgesehen davon hat man gar keine andere Wahl, als was Süßes zu essen, wenn der Blutzucker 'Schlitten fährt'. Aber mir kommen nur die Definitionen des Ganzen so schwammig vor


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[Aktualisiert am: So, 20 April 2008 14:38]

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Re: Binge Eating [Beitrag #256373 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] So, 20 April 2008 21:03 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
osso ist gerade offline  osso
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Zitat:

Abgesehen davon hat man gar keine andere Wahl, als was Süßes zu essen, wenn der Blutzucker 'Schlitten fährt'.


Ich behaupte mal ganz keck, das die meisten in dieser Frage wie die Blinden von der Farbe reden. Ich hatte schon das zweifelhafte Vergnügen eines Hungerasts bein Radfahren. Es ist dann keineswegs so das man da Heisshunger oder auch nur Appetit nach was Süßem hätte. Im Gegenteil, zumindest ich habe mir den Zucker (cola) aus reiner Vernunft reingehauen. Aber nach einigen Minuten geht es einem wirklich besser.

Ansonsten kann ich immer nur wiederholen, das der Hunger nichts mit Blutzuckespeigel zu tun hat.

PS: ist nicht bös gemeint, aber heute bin ich hart am Hungerast (oder bei war beim Beginn des Hungerastes zum Glück zuhause)vorbei geschrammt.


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[Aktualisiert am: So, 20 April 2008 21:18]

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Re: Binge Eating [Beitrag #256386 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] So, 20 April 2008 22:29 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Christina12 ist gerade offline  Christina12
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Binge-Eating ist auch ein relativ neuer Begriff in der Psychologie, weil bestimmte Patientengruppen nicht in das Raster der Bulimie passten, aber dennoch eindeutig eine Essstörung vorliegt. Bei psychologischen Kriterien liest es sich für den Laien oft so, als sei das alles ja irgendwie nicht so ungewöhnlich. Der Kliniker guckt aber noch mit anderen Augen drauf und hat meist auch noch ein anderes Verständnis des Vokabulars. Abgesehen von Diagnosekriterien, die erfüllt sein müssen.

Binge-Eating kann eben auch heißen, in den Vorratskeller zu gehen und auf die Schnell zwei Dosen Thunfisch dort zu essen + noch mal die Dose mit den Erdnüssen und was sonst noch so in die Finger gerät... und ich rede hier nicht von Schwangerschaftsgelüsten.



Ach ja, der Kontrollverlust bei Schoki und Chips ist durchaus auch nicht so normal... jedenfalls nicht, wenn es häufig passiert *grins* Auch wenn das unterhalb des Krankheitsstellenwertes läuft.
Twisted Evil


äääääh, kann mich mal jemand über Hungerast aufklären????


Danke! Uluru Smile


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[Aktualisiert am: So, 20 April 2008 22:33]

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Re: Binge Eating [Beitrag #256389 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] So, 20 April 2008 22:38 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
osso ist gerade offline  osso
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Ja, Ein "Hungerast" ist ein Abfall des Blutzuckerspiegels weil die Gykogenspecher in der Leber zur neige geben.
Das passierst z.b. bei langen radfahren oder z.b. Marathonläufen.
Es äussert sich einerseits durch eine plötzlich einsetzende Entkräftung der Muskulatur, anderseits arbeitet das Gehirn wegen KH' Mangel nicht mehr richtig.
Mir gelingt es dann z.b. nicht mehr einen eine einfachen Dreisatz auszurechnen. Im Extemfall kann das bis zu geistigen Verwirrung führen. Das passiert immer mal wieder bei Marathonläufen.

Ich hab noch eine gute Definition gefunden:
Zitat:

Wenn das Glykogen im Muskel verbraucht ist, dann bedient sich der Muskel verstärkt an der Glukose im Blut. Sobald der Glukosegehalt im Blut dem Gehirn aber zu knapp wird (beschrieben mit Symptomen wie Schwindel, Zittern etc.), wird die Notbremse gezogen und dem Muskel der weitere Glukose-Verbrauch untersagt. Es bleibt nur noch die Fettverbrennung und es geht nur noch langsam voran.

http://www.radpanther.de/indexreload.html?training/physio11. html


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[Aktualisiert am: So, 20 April 2008 23:13]

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Re: Binge Eating [Beitrag #256395 ist eine Antwort auf Beitrag #256386] So, 20 April 2008 23:01 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Bergfex
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Uluru, das klingt mir alles zu sehr so, als ob die Psychologie eine exakte Wissenschaft mit klaren Diagnosen usw sei - und das ist sie in meinen Augen nun mal überhaupt nicht.




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Re: Binge Eating [Beitrag #256398 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] So, 20 April 2008 23:11 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Rebecca von Krassia ist gerade offline  Rebecca von Krassia
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Ich glaube, das Hauptproblem ist, dass die Grenzen fliessend sind.

dass man "neue" Psychokrankheiten mittlerweile bis hier hat, ist auch verständlich. ADS, Borderline, wer kannte das noch vor vor 3 Jahrzehnten? Damals nannte man das einfach "Schlecht erzogen" bzw "ein bisschen Scheisse sein".

Andererseits sollte man auch keine Pauschalurteile fällen.


[Aktualisiert am: So, 20 April 2008 23:11]

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Re: Binge Eating [Beitrag #256406 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Mo, 21 April 2008 00:03 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Christina12 ist gerade offline  Christina12
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@ bergfex

natürlich ist sie nicht exakt, da stimm ich Dir absolut zu. Es ist zudem problematisch mit neueren Krankheitsdefinitionen, wie eben Binge-Eating oder Borderline, wo die Grenzen zu allen verwandten Erkrankungen erst noch weiter definiert und weitere Erfahrungen mit der Erkrankung gesammelt werden müssen. Außerdem gibt es eine Tendenz zur Mode-Diagnostizierung und wie bei jeder Diagnostik fließen zudem Unmengen an Diagnostiker-Charakteristika ein...

Binge-Eating ist halt ein Arbeitskonzept, um daraus so schnell als möglich geeignete Therapiemaßnahmen abzuleiten. Abgesehen von der Regulation der Kassenleistung durch Diagnosestellungen... Es ist sicher eine zweischneidige Angelegenheit, wie jede Form der Kategorisierung. Ähnliche Probleme kenne ich übrigens aus anderen Bereichen auch... z.B. Kategorisierung von Rheumaerkrankungen. Das ist mindestens genau so ein großes Minenfeld - von wegen exakt...

Ich find das Konzept an sich jedenfalls sinnvoll. ... aber das geht jetzt OT!!! Smile



@ Osso

danke für die Aufklärung!!


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Re: Binge Eating [Beitrag #256485 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Mo, 21 April 2008 11:38 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
criseldis ist gerade offline  criseldis
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nun, es ist ja keinem geholfen, ihn einen ungezogenen willensschwachen bimpf zu nennen, nur weil jemand anders ist als die gesellschaft ihn haben will. zumindest nicht dem betroffenen, und nicht jenen, die unmittelbar an der lösung interessiert sind. für die die nur unbeteiligte zuschauer sind, ist es natürlich einfach, so ein pauschalurteil zu fällen. so ein urteil muss ja aber auch keine erfolge vorweisen.

letztlich geht es ja nicht um mode - auch wenn die medienlandschaft solche themen gerne für den profit ausbeutet. klar - wenn solche "krangkeiten" im selben zynischen atemzug präsentiert werden wie die neueste unterwäschekollektion von sowieso - dann ergibt sich der eindruck einer "modekrankheit". mit der realität hat das aber ebensoviel zu tun wie das (über wochen hingetrimmte) coverfoto mit dem tatsächlichen model. das sollte man zu erkennen in der lage sein. also dermaßen erkrankte so oberflächlich zu betrachten - ist ebenso absurd wie zu glauben, werbung xy ist eine seriöse aufklärende produktinformation.

die grenzten sind fließen und selten ist etwas 100% klassisch - die menschen sind eben unterschiedlich. ich finde es besser, wenn man unter dem begriff "binge eating" ein gewisses zewanghaftes essverhalten zusammenfassen kann um entsprechende zielführende behandlungen einleiten zu können (was ja auch krankenkassenrelevant ist) als wenn man sagt: "mach sport und iss weniger" was den patienten zermürben kann. es ist ein psychische krankheit - und die kann man ebensoschwer mit bloßer willenskraft besiegen, wie depressionen oder magersucht. da ist ebenso wie wenn man zu einem deprssiven sagt: "jetzt reiss dich zusammen" (was leider oft genug passiert). er kann es nicht. da ist es besser, wenn man es klassifizieren kann und entsprechende zielführende Behandlungen einleitet.


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Re: Binge Eating [Beitrag #256572 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Mo, 21 April 2008 17:48 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Rebecca von Krassia ist gerade offline  Rebecca von Krassia
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Dass gerade bei extremen Essverhalten eine wie auch immer geartete krankhafte Störung vorliegt, ist klar.

Ich würde wie meine Vorredner auch, differenzieren wollen:

Angenommen jemand isst wirklich alles wahllos zusammen, erst 3 Pizzas und weil das nicht reicht, noch die Tube Mayo leergesaugt, 5 rohe Zwiebeln geschluckt, Die Schachtel Eier samt Schale auf Ex usw, dann könnte man das Binge eating nennen und es wäre auch krankhaft.

Wie aber bereits erwähnt wurde, gibt es eine, durch das Vorhandensein von Lebensmitteln "schleichende" überfütterung.

Morgends Croissants, 2 oder gar drei, schliesslich wird der Tag lang. Zum Mittagessen: Ein grosses Rindersteak mit Pommes, Die letzte Sauce béarnaise hat so gut geschmeckt, das machen wir wieder, diesmal gleich noch etwas mehr dazu. Zum Dessert ein grosses Eis. dann zum fünf Uhr Tee noch Gebäck und Abends noch ein Teller Nudeln.

(Ich beschrieb eben meinen früheren Speiseplan.)

Dieses Essverhalten ist nicht krankhaft, es ist einfach nur eine über die Jahre aufgebaute, schlechte Gewohnheit.

Man muss nämlich bei der Erfindung neuer Krankheiten auch immer bedenken, dass die Krankheit dergestalt missbraucht werden kann, als dass Betroffene unter Abgabe von Eigenverantwortlichkeit sich hinter der Krankheit verstecken können.

Eines ist aber sicher: Weder der real kranke Binge-Eater, der nächtens Süssigkeiten-Automaten auf Bahnhöfen überfällt, NOCH der schlechte Gewohnheit-Esser sollten diskriminiert oder als "disziplinlos" angegriffen werden.

Das Konzept der "Disziplinlosigkeit" ist ein dümmliches Konstrukt, geboren aus Ignoranz. Eine inhaltsleere Worthülse.

Wenn es zum korrekten Essen über längere Zeit "Disziplin" braucht, stimmt entweder mit der gewählten Diät / Ernährung, oder mit dem Betroffenen etwas nicht (im Sinne einer Krankheit).

Im Umkehrschluss wäre es sonst ja so, dass jeder schlanke, Normalgewichtige mit eiserner Disziplin permanent auf Essen verzichtet, nach dem ihm aber hungert.

Wäre dem so, könnte man dem Vielesser berechtigterweise Disziplinlosigkeit als Charakterliches Defizit vorhalten.

Kein Normalgewichtiger, der noch nie eine Diät machen musste, kann wissen, wie "diszipliniert" er eigentlich ist.

Von daher erübrigt sich jedes wertende Urteil über welches Essverhalten auch immer. Nur sachliche Analyse ist hier auf dauer dienlich.




Re: Binge Eating [Beitrag #256611 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Mo, 21 April 2008 19:56 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Christina12 ist gerade offline  Christina12
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???
Zitat:

unter Abgabe von Eigenverantwortlichkeit sich hinter der Krankheit verstecken können.



Mein Selbstverständnis der meisten psychischen Erkrankungen ist ein anderes:

drum tu was, dass es dir besser gehen kann.



Mit der Diagnose rein in die Verantwortung und das nicht um 10 Schleichwege herum, was umso besser möglich ist, je differenzierter und passender die Diagnose und der Therapieweg + Therapeut... Aber vielleicht hast Du da gerade andere Krankheitsbilder und Patienten vor Augen, als ich! Ich glaub, verstecken wird sich der Mensch immer, der sich verstecken will. Und wenn es keine Diagnose gibt, nimmt er eben was anderes.

Abgesehen davon... eben wegen der schleichenden Grenzen kann man sich wunderbar so vieles aus den verschiedenen Therapiemöglichkeiten zapfen... besser und selbstfürsorglicher können wir alle werden... glaub ich so Smile Jedenfalls mach ich es so *grins* Andere Leute lassen sich das teuer bezahlen und nennen es Coachen... klingt gleich viel netter als "Therapie" Twisted Evil



back to topic.


ob ich über mein Essen nachdenke?

Unterschiedlich. Manchmal schleift sich zu viel Disziplin ein: Da gibt es genau zwei Fallen: die Angst vor Fett und der Wunsch nach gesundem Essen. Wenn ich das überstrapaziere, kommt dabei durchaus keine gesunde oder erbauliche Ernährung heraus. Ich gewöhn mir das ab, weil keine Lust mehr habe, mich von dem Stressen zu lassen, was mir Freude bringen soll. Sobald ich so einen Hang bemerke, brems ich aus und werde gnädiger mit mir oder such nach Alternativen, wenn's mal wieder die Unglücks-Zuckerfalle ist. Ich guck dabei auf das, was mir kurz- und langfristig gut tut: psychisch wie körperlich.


Lieben Gruß, Uluru






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Re: Binge Eating [Beitrag #256680 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Mo, 21 April 2008 22:26 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Rebecca von Krassia ist gerade offline  Rebecca von Krassia
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Ich meinte auch weniger eine klar diagnostizierte Erkrankung. Zumal der Patient schon durch den Gang zum Arzt zwecks Diagnose bereits Eigenverantwortichkeit gezeigt hat.

Ich dachte eher an das diffuse "Lebensgefühl", jenseits der ärztlichen Diagnose, dass jemand, der die wie oben erwähnte, falsche Ernährungsgewohnheit entschuldigend als Krankheit selbst-diagnostiziert - um ihr weiter zu fröhnen.

Ich stimme aber zu, dass dieser Effekt im Bereich Ernährung vermutlich keine allzugrosse Relevanz hat, weil der springende Punkt ohnehin der ist, überhaupt einen Misstand zu erkennen oder eben nicht.
Da ist es im Grunde zweitrangig, welche Ursachen das Nichterkennen (Verdrängen, falsch entschuldigen, falsche Selbteinschâtzung, usw) ebeneso welche Ursachen das Ernährungsverhalten als solches hat.

Der Aspekt der Abgabe von Eigen- und Fremdverantwortlichkeit (zB der Eltern, was es ihre Rolle bei ADS Kindern angeht) scheint bei anderen "Modekrankheiten" wie Borderline usw ausgeprägter, da hier die Verlockung, "gewöhnliche" Defizite zu pathologisern eher zu befürchten ist.



Re: Binge Eating [Beitrag #256875 ist eine Antwort auf Beitrag #256572] Di, 22 April 2008 13:59 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Bergfex
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Rebecca von Krassia schrieb am Mo, 21 April 2008 17:48


Eines ist aber sicher: Weder der real kranke Binge-Eater, der nächtens Süssigkeiten-Automaten auf Bahnhöfen überfällt, NOCH der schlechte Gewohnheit-Esser sollten diskriminiert oder als "disziplinlos" angegriffen werden.

Das Konzept der "Disziplinlosigkeit" ist ein dümmliches Konstrukt, geboren aus Ignoranz. Eine inhaltsleere Worthülse.

Wenn es zum korrekten Essen über längere Zeit "Disziplin" braucht, stimmt entweder mit der gewählten Diät / Ernährung, oder mit dem Betroffenen etwas nicht (im Sinne einer Krankheit).

Im Umkehrschluss wäre es sonst ja so, dass jeder schlanke, Normalgewichtige mit eiserner Disziplin permanent auf Essen verzichtet, nach dem ihm aber hungert.

Wäre dem so, könnte man dem Vielesser berechtigterweise Disziplinlosigkeit als Charakterliches Defizit vorhalten.





Die Disziplin habe ich im nebenan-thread über die Vorteile des Dickseins ins Spiel gebracht und ich halte sie nach wie vor nicht für ein Konstrukt oder eine Worthülse.

Es gibt genug Frauen, und es sind vorzugsweise Frauen "aus der besseren Gesellschaft" (die dementsprechend lt.Statistik auch weniger oft unter Übergewicht leiden), die sich ihr Leben lang bewusst kasteien, weil ihnen ihr Aussehen enorm wichtig ist - wichtiger als die Befriedigung spontaner Essgelüste.

Und sie tun damit Überlebenswichtiges, denn in manchen Gesellschaftskreisen kann man eben in der Regel nur bestehen, wenn man in der Größe-36-Designerrobe absolut null Fettpölsterchen vorweisen kann.

Ob einem ein solches Leben lebenswert vorkommt, entscheidet ohnehin jede Frau beizeiten selbst. Wink Als gerechten Ausgleich für den Mangel an lebenslanger Superschlankheit kennen andere Frauen eben die Freude am Genuss, an der spontanen Freude, wenn einen zufällig etwas besonders Leckeres "anlacht" und man dieser erfreulichen Fügung des Schicksals (in Form eines Erdbeertörtchens etwa Very Happy ) beidhändig zugreifend Folge leistet.

Disziplinlosigkeit beim Essen schließt Disziplin in anderen Lebensbereichen nicht aus und hat daher in meinen Augen nichts mit Charakterfragen zu tun sondern eher mit einer Entscheidung zur Art der Lebensführung.

Wahrscheinlich wäüre es das beste, man fände eine Balance zwischen Ästhetik und Genuss. Wink



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Re: Binge Eating [Beitrag #256910 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Di, 22 April 2008 16:51 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Naschkatze1 ist gerade offline  Naschkatze1
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Ich bin ja au ein Fall von Binge-Eating-Disorder und es ist wirklich nicht schön. Ich bin ja au in Therapie und das alles hilft mir sehr, trotzdem ist es total schwer ein normales und gesundes Essverhalten zu haben. Mit der Zeit wird es besser, alles braucht eben seine Zeit...!

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Freue mich über Kommentare Smile

Re: Binge Eating [Beitrag #256932 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Di, 22 April 2008 18:24 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Rebecca von Krassia ist gerade offline  Rebecca von Krassia
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Bergfex,

dass es lebenslange Selbstkasteiende GIBT, wollte ich auch gar nicht in Frage stellen. Eine High Society Lady hat in etwa den selben Druck, schlank zu sein wie ein Model. Man erinnere sich nur, wie auf sarah Ferguson rumgehackt wurde, weil sie etwas drall war.

Ich würde diese Subgruppe jetzt aber nicht repräsentativ nennen. Ich dachte vorallem an die ganz normalen Leute von der Strasse.


Re: Binge Eating [Beitrag #256947 ist eine Antwort auf Beitrag #256932] Di, 22 April 2008 18:54 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Bergfex
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Confused Na, ich denke, so "sub" ist die Gruppe nicht... Rolling Eyes

Bedenke, dass die Society-Ladies einen langen Rattenschwanz von auch-dazugehören-Wollerinnen nach sich ziehen.

Wenn ich durch die Wiener Innenstadt gehe, schätze ich mal, dass jede 3.Frau, die grade keine Touristin ist, von diesem Phänomen der ständigen Kasteiung und Selbstkontrolle betroffen ist. (Und zB in Düsseldorf zu Modemessen-Zeiten tippe ich auf 99 % Very Happy )

Und dennoch glaube ich nicht, dass all diese Frauen ein gestörtes Essverhalten haben. Sofern man dieses Zivilisations-Syndrom, vor vollen Töpfen zu sitzen und nicht herzhaft zuzulangen, wie es zB jeder normale psychisch garantiert gesunde Wolf bis zum Umfallen tun würde Laughing nicht als essgestört betrachtet.

Was mich im weiten Bogen wieder zum Thema zurückführt: Ich glaube an sehr viel mehr vorherrschende psychische Gesundheit als sie der 1.-Welt-Menschheit seitens der Psychotherapeutengilde zugestanden wird.

Es ist in meinen Augen vielmehr eher so, dass der Überfluss in unserer Gesellschaft und unsere durchtechnisierte Lebensweise einerseits und unsere ästhetischen Normen andererseits per se alle möglichen Störungen nachgerade erzwingen. Es fragt sich bloß: ist die Lebensweise gestört oder der Mensch?



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Re: Binge Eating [Beitrag #256961 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Di, 22 April 2008 19:53 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Christina12 ist gerade offline  Christina12
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womit wir wieder OT gehen, wenn ich einwerfe, dass diese Achse Gesundheit gegen Krankheit gerade in der aktuellen Psychologie nachhaltig infrage gestellt wird. Womit wir eindeutig dabei landen werden (hoffe ich) Patienten zunehmend mündiger zu sehen oder doch so mündig, wie Therapeuten es sich gern vorgaukeln, dass sie ihre Patienten sehen oder sie dort hinführen wollen... (zumindest die schlechteren Therapeuten, die guten können das ja schon Smile )


D.h. woran Du glaubst, Bergfex, setzt sich in der Psychologengilde allmählich durch und bezieht sich auf einen grundsätzlich anderen Umgang mit den Patienten und deren Lebensgeschichten. Die Psychologie hat vorher eben auch an alten medizinischen Modellen gehangen und das ändert sich.

Übrigens. Rein statistisch erkrankt jeder 4. Europäer im Laufe seines Lebens an einer psychischen Erkrankung, wobei die Depression (also die echte und nicht, was wir uns so sagen) die häufigste Erkrankung ist und unter allen Erkrankungen (inkl. körperlichen) am häufigsten zur Arbeitsunfähigkeit führt. Dabei bleiben etwa die Hälfte aller Fälle zunächst unentdeckt, wobei (soweit ich weiß) inzwischen die Aufdeckungsrate in den Hausarztpraxen allmählich steigt.


Ich seh das so: das ist nichts Neues, man hat's nur vorher nie erhoben. Und man redet allgemein nicht darüber + vieles wird fehldiagnostiziert. Nun rennt aber auch nicht jeder zum Darmspezialisten, weil der Damm rumpelt. und so braucht auch nicht jeder gleich zum Psychologen rennen. Vermutlich brauchen wir aber dennoch mehr Psychologen als Darmspezialisten. In beiden Fällen hoffen wir, dass wir fähige Fachkräfte haben, die einen Bedarf von einem Nicht-Bedarf unterscheiden werden und nicht um des Geldes willen alles mitmachen. That's life.




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[Aktualisiert am: Di, 22 April 2008 19:53]

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Re: Binge Eating [Beitrag #257000 ist eine Antwort auf Beitrag #256961] Di, 22 April 2008 21:40 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Bergfex
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Very Happy Kleine Zwischenfrage: zählst du auch zur "Psychotherapeutengilde"?


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Re: Binge Eating [Beitrag #257020 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Di, 22 April 2008 23:04 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Christina12 ist gerade offline  Christina12
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Nein Smile

Ich komm aus dem Fachbereich und bin von "beiden" Seiten recht gut informiert, also aus Patienten- und aus Therapeutensicht und das in so ziemlich jede nette, wie katastrophale oder weniger nette Richtung. Gerade als Psychologiestudent bekommt man kullerrunde Augen, wenn man so hört, was Klienten aus ihrer Therapielaufbahn erzählen....Ich hab mittlerweile allerdings einen ganz guten Vergleich mit der "Praxis" der Mediziner, Heilpraktiker und was sonst noch auf dem Markt der Heilkundigen und dem der Heil- und Glückssuchenden lebendig ist.

Ich hatte überlegt, meine Diplomarbeit zum Thema "Selbstfürsorge im Alltagsbewusstsein" zu schreiben, daher bin ich in diesem Thema weit drin. Gegen das Psychologisieren hab ich nichts, wenn es hilft oder nicht schädigt. Das ist ähnlich wie bei Ernährungsumstellungen... Ich bin da durch und durch pragmatisch eingestellt. Auch wenn ich fix reagiere, weil ich so viele Klienten getroffen habe, die sich nie getraut haben, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen, weil "man muss doch eigentlich" und das ist so schade... aus heutiger Perspektive. Wer weiß... vor 20 Jahren sahen Therapien oft anders aus als heute, vielleicht besser, dass sie sich nciht getraut haben.


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Re: Binge Eating [Beitrag #257577 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Do, 24 April 2008 23:45 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Libelle ist gerade offline  Libelle
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Ob man einen schicken Namen dafür braucht, ist die Frage.

Wenn man sich die Schokotafel im Gegenwert von 600 kcal gierig und schnell reinzieht, weil man wochenlang Zucker und Fett verteufelt hat, dann hat das für mich bereits den Charakter einer essgestörten Handlung. Die Grenzen sind fließend. Ich denke, bei so Kleinigkeiten fängt es an. Essen nach "gut" und "böse" zu unterteilen, manche Lebensmittel krampfhaft zu vermeiden, immer nur scharf nachdenkend irgendwas zu essen, ein Leben im Spannungsfeld zwischen Disziplin und einem schlechten Gewissen...bewerten, verzichten, dann wieder fressen...das Wissen über die vermeintlich so gesunde Ernährung wird vermutlich parallel zum Phänomen des binge eating ansteigen. Rolling Eyes
Re: Binge Eating [Beitrag #257578 ist eine Antwort auf Beitrag #257577] Fr, 25 April 2008 00:22 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Bergfex
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Und ich finde DOCH, es ist Ermessenssache. Wenn ich wollte bzw. leicht hypochondrisch bzw schwer sinnsuchend unterwegs wäre, könnte ich meine ab-und-zu-Schokifresserei als Bing Etaing bezeichnen, nachdem ich diesen Begriff hier so nett gelernt habe. Ich könnte bestimmt bald eine/n Psychotherapeuten/in finden, der/die mit mir im Gegenwert eines Kleinwagens lange Gespräche über mein Essverhalten bis hin zum in der Wiege geraubten Schnuller führen würde. Na toll.


Mein Glück: Ich betrachte Schokoladegelage trotzdem nicht als Krankheit, sondern als etwas, das ich mir ab und zu genehmige. Ich fuhr im Herbst 2007 sogar planvoll eigens bei einer Tankstelle vorbei, um mir eine Tafel Ritter Sport zu kaufen, die ich mir dann heimlich und ohne Zeugen und sehr gierig auf einer längeren einsamen Autofahrt einverleibte. HUCH!

Ein Problem hätte ich bestimmt, wenn mir sowas öfter mal passiert und ich immer dicker würde. Nachdem ich aber nachweislich und messbar abnehme, trotz allfälliger fieser Attentate auf die Schokobananen meiner Tochter, (ich schrecke selbst vor fallweisem Schokoladendiebstahl aus dem Kinderzimmer nicht zurück, wenn's dort allzu verschwenderich verstreut herumliegt *POLIZEI!* ) habe ich kein Problem bzw. hätte vielleicht ein Problem, das das psychische Äquivalent des Potemkin'schen Dorfes darstellt.

Genaugesagt hatte ich bis zur Erstellung dieses threads überhaupt nie den Verdacht, dass ich ein Problem haben könnte, aber wenn man's nun recht bedenkt.... wenn man's mir lang genug einredet und ich ein vielleicht etwas weniger sturschädeliger Charakter wäre, könnte es ja gelingen. Laughing



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Re: Binge Eating [Beitrag #257890 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Sa, 26 April 2008 10:59 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Christina12 ist gerade offline  Christina12
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natürlich ist es Ermessenssache - auch in Abhängigkeit davon, wer die "Diagnose" stellt. Ich wiederhole mich: das ist in jedem HEILBERUF so - bis zu einem gewissen Grad herrscht Spielraum vor. Als fast Psychologe würde aber selbst ich solche Schokogelüste nicht als Binge-Eating einstufen. Das ist so ein wenig, als wenn man jede Trauerreaktion in eine Depression wandeln wollte.

Die Frage für mich wäre eher: "warum kommt die Frau wohl zur Therapie" und vielleicht würde ich dann einfach abwarten, was sich die ersten Stunden aufdeckt. (wobei ... abwarten heißt: ich stelle diagnostische Fragen etc.) ... das ist eher so ein charakteristisches "Psychologenproblem": "ah, wenn die schon zu mir kommt, ist da auch was. Nur ob es das ist, was sie denkt? Und ist es therapierelevant?"... die meisten Klienten kommen eh mit Vorstellungen über Probleme oder Krankheitsbilder, die so nicht zutreffen. Wobei man weiter guckt, als nur bis zum Essen. Zumindest gute Diagnostiker tun das. Wäre das nicht so, bräuchte man nicht so eine lange Ausbildung, gelle. (und klar: die hilft auch nicht immer... aber den Hypochonder findet man dann so auch... sobald das offen gelegt ist)

Ich denke, wir haben verschiedene Blickwinkel und Ansichten zu dem Thema.

Viele Grüße, Uluru


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Re: Binge Eating [Beitrag #257894 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Sa, 26 April 2008 11:12 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Libelle ist gerade offline  Libelle
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Es gibt ja auch noch das so genannte "Restraint Eating", also ein kontrolliertes Essverhalten. Menschen, die also nie "einfach so" etwas essen, sondern immer auf Zusammensetzung, Nährwert, Kalorien und Menge achten. Auch da sind die Grenzen zu eine Essstörung fließend.

Entscheidend ist sicher auch der Leidensdruck. Wer sich aufgrund von Verboten und Verzicht dann irgendwann gierig auf etwas stürzt, und darauf dann mit einem schlechten Gewissen, ja sogar Selbsthass und Selbstverachtung reagiert oder eben starke gesundheitliche Probleme wie extremes Übergewicht entwickelt, der hat ein krankhaftes Problem.

Wer sich mal auf eine Tafel Schokolade stürzt und sich insgeheim dabei ins Fäustchen lacht (wie Bergfex bei ihrer Autofahrt), dann würde ich das sicher nicht als "krankhaft" bezeichnen, sondern als harmlosen Nasch-Anfall, der ja auch von der Person selbst nicht unbedingt als Problem eingestuft werden muss. Wichtig ist sicher die Frage: Wie reagiert man auf einen "Fressanfall". Sobald Leidensdruck, Selbstverachtung oder extremes Übergewicht als Folge ins Spiel kommen, wäre ich alarmiert.
Re: Binge Eating [Beitrag #257908 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Sa, 26 April 2008 13:30 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Christina12 ist gerade offline  Christina12
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Wie reagiert man auf einen "Fressanfall". Sobald Leidensdruck, Selbstverachtung oder extremes Übergewicht als Folge ins Spiel kommen, wäre ich alarmiert.


*nick nick*


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Re: Binge Eating [Beitrag #257915 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Sa, 26 April 2008 16:06 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
osso ist gerade offline  osso
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Zitat:

Wie reagiert man auf einen "Fressanfall". Sobald Leidensdruck, Selbstverachtung oder extremes Übergewicht als Folge ins Spiel kommen, wäre ich alarmiert.

Genau, man sollte sich vorrechnen was man alles an Guten Sachen seinen Körper zugeführt hat Smile


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Re: Binge Eating [Beitrag #257943 ist eine Antwort auf Beitrag #257890] Sa, 26 April 2008 18:42 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Bergfex
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Uluru, ich will wirklich niemandem ans Schienbein treten - ich kann aber aus meiner Haut nicht heraus. Habe in der Sahara und im südl.Sahel jede Menge Menschen getroffen, die mit unsagbar wenig vom immer gleichen Essen auskommen müssen. (Dieses Wenige haben einige noch äußerst großzügig und gastfreundlich mit uns geteilt) Wenn man dann sieht, wieviel Probleme wir hier in unserem Kulturkreis mit unserem zu vielen Essen haben, während zur gleichen Zeit gar nicht sooo weit entfernt Menschen sich sehr viel weniger Probleme aus ihrem Nahrungsmangel schmieden (sie haben definitiv wichtigere Probleme bzw. - Inschallah - akzeptieren eben, dass das Leben Schwiergikeiten mit sich bringt, die eben überwunden werden müssen): dann denkt man sich: wir versündigen uns an diesen Menschen. Sie wissen es nicht und wer von uns nicht in solchen Gegenden war weiß es nicht - aber es ist so. Und wenn man in beiden Welten unterwegs war kann man es nie wieder vergessen. Dann wird es einem immer wie Haarspalterei vorkommen.
Unsere Großeltern bzw.Urgroßeltern, die die Kriegs- und Nachkriegszeit miterlebt haben werden dazu eine ähnliche Einstellung haben.

Und wenn ich Libelles letzte Buchrezension richtig interpretiert habe, geht's da eigentlich auch um diesen Punkt.

Anstatt dankbar über den Überfluss zu sein, weil das größte Problem immer noch ist, gar nichts zu essen zu haben, sitzen wir mitten drin und grübeln, was dran schlecht und problembeladen sein könnte. Sad Wir sind uns unseres immerwährenden Überflusses viel zu sicher....



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Re: Binge Eating [Beitrag #257995 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Sa, 26 April 2008 21:02 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Christina12 ist gerade offline  Christina12
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Ich weiß, was Du meinst.

Nur das nützt den Leuten meist wenig, wenn sie drin stecken. Nicht jeder kann sich mit solchen Bildern heraus ziehen. So wie nicht jeder morgens aufsteht und glücklich ist, dass er selbständig atmen, sich anziehen und gehen kann, lesen oder schreiben kann, einen Job hat, einen Mann, Kinder, schöne Luft, in der er atmen kann etc...

Ich mein... nimm mich *lächel*... ich "kann" keine Milch und auch keine Weizenprodukte essen. Weil ich es mir leisten kann, verzichte ich auch auf Fleisch und Fisch soweit es mir möglich ist. Nur weil ich mir das Gefühl "Ekel" erlauben kann. An einem anderen Ort auf dieser Welt, könnte ich mir das alles nicht erlauben und müsste mit den Konsequenzen, egal welche es wären, leben. Mein Ekelgefühlt geht davon nicht weg. Ein bissi glücklich bin ich schon, dass ich so eine große Auswahl an Möglichkeiten habe. Ich bin dankbar für das Essen auf meinem Tisch und auch dafür, dass ich es essen kann. Selbständig, ohne Neider, ohne Angst.


Ich hab gelernt, dass vieles aus der Seele nicht mehr verarbeitet wird, wenn der Körper in Bedrohung gerät. Das ist absolut folgerichtig, schließlich sind auch wir auf Überleben programmiert. Wir setzen Prioritäten und unsere Seele und unser Körper tut das auch. Eigentlich ein Wunder.


Man kann Wohlstand mit zwei Augen betrachten: der Segen ist, dass wir die Gelegenheit haben, alte Wunden abzutragen und die vielleicht nicht mehr an unsere Kinder und Mitmenschen weiterzugeben, weil wir Zeit und Ressourcen haben, bei denen wir nicht nur noch ans Überleben oder Notwendigste denken müssen. Der Fluch ist, dass wir uns vielleicht selbst belügen und betrügen, hinter dem Konsum verstecken und vergessen, was wirklich wichtig im Leben ist. In jeder der beiden Welten finden sich solche, die ihre Chancen nutzen und solche, die das nicht tun. Solche, die ihr Leben wertschätzen und solche, die das nicht können oder wollen oder beides.


Ein kleiner Teil der Menschen, denen ich bislang begegnen durfte, wurde durch ihre Arbeit an sich, viel wachsamer für das, was in der Welt geschieht. Das ist mir die Arbeit dann wert, das ist mir auch wert, davon Abstand zu nehmen zu sagen: hei, in der dritten Welt....ich möchte wissen, wo mein Klient, mein Gegenüber steht und ihn dann dort abholen, wenn ich das nicht so sehen würde, wäre ich eine miese zukünftige Therapeutin.


Wenn ein Kind sich das Knie aufschlägt, wie viel Trost steckt darin, wenn ich ihm sage: "ah, schau mal, stell dich nicht so an, der Nachbar drei Stock über uns, der hat Multiple Sklerose, der leidet viel mehr als Du, Du wirst morgen laufen können." Was lernt der Mensch davon? Vielleicht auch: sei hart, sei härter, so wenig Leid zählt nicht. Das macht die Welt nicht besser. Klienten sind erwachsene Kinder. Bei Kindern gucken wir auch, warum sie jammern und mal ist dann einfach Trost dran und andere Male ein Zurechtrücken der Welt und weitere Male ein Aufhelfen und Zeigen von Möglichkeiten, die Dinge anders zu machen.


Es gibt schon Leute, wo ich ganz nachhaltig mit den Augen rolle... im Einzelfall eben. Da bin ich nicht heilig und durchaus auch schnell mal genervt.

*zwinker*



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Re: Binge Eating [Beitrag #258000 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Sa, 26 April 2008 21:31 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Christina12 ist gerade offline  Christina12
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Womit ich letztlich versuche, zum Ausdruck zu bringen, dass für mich diese Dinge zusammen gehören: einerseits der Wunsch energisch aufzurütteln, wenn ich auf luxusverwöhnte, aber leidensorientierte Menschen treffe. Andererseits die Menschen in ihrem Leid oder ihrer Blindheit abzuholen oder wahrzunehmen, wo sie stehen.


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Re: Binge Eating [Beitrag #258004 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] Sa, 26 April 2008 21:55 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
osso ist gerade offline  osso
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Anstatt dankbar über den Überfluss zu sein, weil das größte Problem immer noch ist, gar nichts zu essen zu haben, sitzen wir mitten drin und grübeln, was dran schlecht und problembeladen sein könnte.

Trotzdem sind die Probleme ja real und nicht eingebildet, insofern kann ich Uluru nur zustimmen, das man die Menschen da abholen muss wo sie stehen.
Nur gibt es eine Tendenz diese die Reflektion über das Essen unnötig zu komplizieren. Das betrifft einmal die Ernährung selbst, mit den Diäten die haarklein vorschreiben, was man wie, wann oder überhaupt essen darf, als auch wie man sich zu Essen verhalten darf und was man dabei empfinden soll.
Schöne Beispiele sind da die New York Diät oder die Schlank im Schlaf Diät (Insulin Trennkost).
Das wiederum ruft eine Gegenbewegung hervor, die mehr oder weniger leugnet das es ein Problem mit Ernährung gibt, sondern das da die Beschäftigung über die Ernährung selbst das Problem sei. Udo Polmer ist ein Vertreter dieser Richtung. Das Buch das Libelle vorgestellt hat, könnte auch dazu gehören.
Ich denke man sollte die sich da von niemanden kirre machen lassen und dei Moden an sich vorbeiziehen lassen.
Interessant ist das Thema Ernährung allemal, auch wenn man sich darüber bewusst sein sollte dass ees ein Luxusprolbem ist.
In den letzten Wochen ist z.b. in Ägypten der Brotpreis so gestiegen, das Brot für große Teile der Bevölkerung ein Luxusgut geworden ist. Allerdings die reichen Ägypter werden auch sofort fett und bekommen Diabetis. Es ist also kein problem der Westlichen Welt, sondern allgemein ein Wohlstandphänomen


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Re: Binge Eating [Beitrag #258006 ist eine Antwort auf Beitrag #257995] Sa, 26 April 2008 22:09 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Schwimmerin ist gerade offline  Schwimmerin
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Uluru schrieb am Sa, 26 April 2008 21:02


Wenn ein Kind sich das Knie aufschlägt, wie viel Trost steckt darin, wenn ich ihm sage: "ah, schau mal, stell dich nicht so an, der Nachbar drei Stock über uns, der hat Multiple Sklerose, der leidet viel mehr als Du, Du wirst morgen laufen können." Was lernt der Mensch davon? Vielleicht auch: sei hart, sei härter, so wenig Leid zählt nicht. Das macht die Welt nicht besser. Klienten sind erwachsene Kinder. Bei Kindern gucken wir auch, warum sie jammern und mal ist dann einfach Trost dran und andere Male ein Zurechtrücken der Welt und weitere Male ein Aufhelfen und Zeigen von Möglichkeiten, die Dinge anders zu machen.



Toll gesagt!
Genau das ist es. Mich hat motiviert, daß mir meine Therapeutin zugehört hat. Sie war *wirklich* an dem interessiert, was mit mir ist. Sie konnte meine Not sehen.

Nach Jahren in denen ich immer nur angeblafft wurde - dass ich mich gefälligst zusammenreißen soll, und mehr Disziplin haben soll - was mich immer nur noch trauriger und mutloser gemacht hat.
Geholfen hat mir nicht Kälte und Strenge und Emotionslosigkeit - sondern, daß da einmal jemand war der ein bißchen Mitgefühl und Trost hatte und danach war ich dann bereit für praktische Tips. Smile
Also das A udn O ist wirklich echtes Mitgefühl.


Grüßchen,

Schwimmerin






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[Aktualisiert am: Sa, 26 April 2008 22:11]

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Re: Binge Eating [Beitrag #258010 ist eine Antwort auf Beitrag #258004] Sa, 26 April 2008 22:34 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Bergfex
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Wenn ein Kind sich das Knie aufschlägt, wie viel Trost steckt darin, wenn ich ihm sage: "ah, schau mal, stell dich nicht so an, der Nachbar drei Stock über uns, der hat Multiple Sklerose, der leidet viel mehr als Du, Du wirst morgen laufen können." Was lernt der Mensch davon? Vielleicht auch: sei hart, sei härter, so wenig Leid zählt nicht. Das macht die Welt nicht besser. Klienten sind erwachsene Kinder. Bei Kindern gucken wir auch, warum sie jammern und mal ist dann einfach Trost dran und andere Male ein Zurechtrücken der Welt und weitere Male ein Aufhelfen und Zeigen von Möglichkeiten, die Dinge anders zu machen.


Das ist ein irritierender Gedanke - besonders angesichts der Tatsache, dass wir ja anscheinend am besten Weg sind, dem US-Trend zu folgen: man geht aus psychohygienischen gründen ebenso zum Therapeuten wie man zur Zahnreinigung aus zahnhygienischen Gründen geht.
Werden wir eine Gesellschaft von unselbständigen erwachsenen Kindern, die nur in der Lage sind, ihr Leben zu meistern, wenn ihnen allwöchentlich ihr Therapeut ermutigend einen Schubs gibt? Shocked

(Und wer garantiert, dass der Therapeut nicht auch ein erwachsenes Kind ist?)

Zum Erwachsenwerden gehört es schon auch dazu, dass man "erwachsenwerden gelassen wird" und nicht wegen jedem kleinen Gegenwind erst zur duldsamen Mama und dann zum duldsamen Therapeuten rennt, überspitzt formuliert.



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Re: Binge Eating [Beitrag #258090 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] So, 27 April 2008 12:12 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Christina12 ist gerade offline  Christina12
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Werden wir eine Gesellschaft von unselbständigen erwachsenen Kindern, die nur in der Lage sind, ihr Leben zu meistern, wenn ihnen allwöchentlich ihr Therapeut ermutigend einen Schubs gibt?



Tja, schlechte Therapeuten binden ihre Klienten länger als nötig. Und eine Garantie gibt es für nichts im Leben.


Ich meinte mit "erwachsene Kinder" nur, dass in jedem Erwachsenen auch immer ein Kind steckt. Es wäre unsinnig, das zu übergehen, wenn es den Erwachsenen in seinem Leben behindert, kränkt oder schädigt. Und genau so schade, weil die kindlichen Seiten in uns auch viel Spaß machen können und sehr gesund erhaltend sind Smile) Ich nenn das jetzt so aus pragmatischen Gesichtspunkten, weil man sich darunter am ehesten was vorstellen kann, nicht weil ich Anhänger des tiefenpsychologischen Wühlens wäre (überspitzt formuliert).

Therapieziel ist normalerweise, dass derjenige in seinem Handeln immer noch die Selbständigkeit und die Lebensfertigkeit eines Erwachsenen hält oder sie erreicht und so bald als möglich OHNE Therapie auskommt. Hilfe zur Selbsthilfe.
Bezogen auf das "Kind-Bild" heißt das, dass man sich wie ein Kind fühlen darf und doch so stark und kräftig, weise und vorausschauend wie ein Erwachsener ist. Dass man teils kindlich handeln kann, ohne das Erwachsene zu verlieren. Integration bei voller Erhaltung von Handlungsfähigkeiten.


Wer Probleme finden will, wird sie finden, Bergfex. Deine Argumente waren wichtige und kritische Ankerpunkte, auch wenn sie an dem vorbei gehen, wovon ich schrieb ... Ich kann Deine Wachsamkeit nachvollziehen und teile sie - nur eben vor einem anderen Hintergrund. Ich find ja gerade so genial, wie ich oben schrieb, dass es Stück für Stück zu einem Umdenken in der Therapie zu kommen scheint, und das auf einer viel breiteren Ebene, als "rein wissenschaftlich" zuvor. Der Gedanke, was das mit einzelnen Therapeuten machen wird, ist durchaus interessant, weil z.B. der ressourcenorientierte Ansatz das klassische Helfersyndrom im Helferberuf aushebeln muss, wenn man ihn konsequent verfolgt.


Smile

Sodele... nun hab ich mich viel zu weit in meinen "Beruf" hinein gehängt. Das lass ich jetzt mal wieder, weil ich hier nicht als Psychologe schreiben will ne, ne. Privatperson. Nun wieder *grins*


Also... Thema ist für mich beendet.

Viele Grüße, Uluru



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Re: Binge Eating [Beitrag #258096 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] So, 27 April 2008 12:29 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
Christina12 ist gerade offline  Christina12
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oh das noch...aber dann ist wirklich gut für mich Smile
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Nur gibt es eine Tendenz diese die Reflektion über das Essen unnötig zu komplizieren. Das betrifft einmal die Ernährung selbst, mit den Diäten die haarklein vorschreiben, was man wie, wann oder überhaupt essen darf, als auch wie man sich zu Essen verhalten darf und was man dabei empfinden soll.



Das sind aber in der Regel eher die Hosentaschenpsychologie-Diäten alá Brigitte und Selbsthilferatgeber-Co, die auf diesen Wellen reiten. Trendwellen in Zeitschriften und der allgemeinen Gesellschaft und Entwicklungen oder Trendwellen in wissenschaftlich Fachbereichen wären da schon zu unterscheiden. Das ist auf den ersten Blick nicht so leicht zu durchschauen, klar. Ist grundsätzlich sinnvoll, kritisch zu bleiben, wenn da irgendein Diplom-Psychologe unterschrieben hat... immerhin geben die ihre Namen genau so her, wie manch ein Mediziner. Es lebe die Trendkost.



So long, Uluru


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Re: Binge Eating [Beitrag #258097 ist eine Antwort auf Beitrag #258090] So, 27 April 2008 12:30 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
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Trotzdem fasziniert mich der Satz: Die Psychoanalyse ist die Krankheit, die sie zu heilen vorgibt.



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Re: Binge Eating [Beitrag #258098 ist eine Antwort auf Beitrag #256187] So, 27 April 2008 12:31 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
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Re: Binge Eating [Beitrag #258102 ist eine Antwort auf Beitrag #258098] So, 27 April 2008 12:33 Zum vorherigen Beitrag gehenZum vorherigen Beitrag gehen
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