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icon6.gif  Wie nimmt man denn nun wirklich ab? [Beitrag #403090] Mo, 18 Januar 2010 14:05 Zum nächsten Beitrag gehen
TToni ist gerade offline  TToni
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Wo geht eigentlich das ganze Gewicht beim Abnehmen hin, bzw. wo kommt es beim Zunehmen her? Die Antwort aus Sicht der Physik ist erstaunlich einfach.

Als erstes vergessen wir alle mal ganz schnell das ganze Kaloriengeraffel. Von Kalorien "verbrauchen" nimmt man nicht ab (naja schon, wie wir später sehen werden, aber nicht so, wie viele sich das vorstellen).

"Energieverbrauch" gibt aus Sicht der Physik erstmal gar nicht. Energie geht nicht verloren, sondern wird nur umgewandelt. Was einem Verbrauch am nächsten kommt, ist eine Umwandlung in Wärme, da diese die "minderwertigste" Energieform ist, die nur schwer wieder zurückzuverwandeln ist.

Verbrennt man Fett oder Kolenhydrate, entsteht u.a. auch Wärme, also "Energie". Dabei wird tatsächlich auch Masse, also Körpergewicht verbraucht. Das beschreibt Einsteins Formel E = m*c*c. Um allein durch diese Wärmeerzeugung aber 1 Gramm abzunehmen, müsste man 21 Milliarden kcal verbrauchen.

Das vergessen wir also mal ganz schnell wieder.

Wie geht also Abnehmen dann vonstatten? Zunehmen tun wir offenbar durch Nahrungszufuhr. Wenn ich 500g irgendwas esse oder trinke, habe ich erst mal 500g zugenommen. Will ich abnehmen, muss ich infolgedessen mehr als 500g irgendwas wieder von mir geben.

Neben der Model-Methode (erbrechen) tun das Normalsterbliche durch die natürlichen Ausscheidungsmethoden, als da wären: Kot, Urin, Schweiss, Atmung.

Die Menge Kot entspricht der Menge aufgenommener Nahrung minus des größten Teils der Flüssigkeit, sowie allem, was per Verdauung mehr oder minder zerlegt in die Blutbahn gelangt (Verdauliche Kohlenwasserstoffe wie z.B. Fett oder Protein). Hinzu kommt nichts, außer ein paar Verdauungsenzymen wie z.B. Gallenflüssigkeit, was gewichtsmäßig aber vernachlässigbar ist.

Urin und Schweiss bestehen praktisch nur aus Wasser. Gewichtsmäßig sind die anderen enthaltenen Stoffe vernachlässigbar. (Urin enthält täglich ca. 15-35g Harnstoff, der aus Proteinen gebildet wird. Wenn man nicht gerade Muskelschwund betreibt, lässt sich darüber jedoch nicht abnehmen).

Bleibt die Atmung. Wir atmen Sauerstoff (O2) ein und atmen Kohlendioxid (CO2) und Wasserdampf aus.

Nehmen wir mal an, dass der Wassergehalt im Körper im wesentlichen konstant bleibt (er kann zwar kurzfristig stark schwanken, der Mittelwert wird sich aber kaum verändern).

Dann bleibt als Abgabemechanismus für dauerhaften Gewichtsverlust nur die Atmung! Aus O2 (Sauerstoff) wird CO2 (Kohlendioxid). So einfach ist das. Da geht unser Gewicht verloren. Beim Atmen. Durch Hinzufügen von Kohlenstoff (C) zur Ausatemluft.

Alle gewichtsmäßig interessanten Nährstoffe (also keine Spurenelemente usw., sondern Fett, Protein und sog. Kohlenhydrate incl. Zucker) sind Kohlenwasserstoffe, d.h. sie bestehen fast ausschließlich aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Nun ist ein Wasserstoffatom 12 mal leichter als ein Kohlenstoffatom, also steckt die größte Masse im Kohlenstoff, selbst wenn die Wasserstoffatome meist in der Überzahl sind.

Unser Stoffwechsel besteht aus einer hochkomplizierten Abfolge chemischer Reaktionen, letztlich läuft es jedoch für alles gewichtsmäßig interessante darauf hinaus, dass ich einen Kohlenwasserstoff hineinstecke, Sauerstoff hinzugebe und Kohlendioxid und Wasser herausbekomme. Das ist übrigens chemisch tatsächlich eine Verbrennung (Oxidation, hergeleitet aus dem Hinzufügen von Oxygen (Sauerstoff)).

Das ganze Gelumpe mit Kalorienzählen, Sport, Grundumsatz und wasauchimmer läuft also letztlich nur darauf hinaus, wieviel ich atme. Klar atme ich beim Sport mehr, also verliere ich auch mehr Gewicht.

Von welchen Mengen reden wir hier? Ein normaler Atemzug enthält ca. 0.5 Liter Luft. Darin sind 4% Kohlendioxid, also ca. 0,04 Gramm. Der Gewichtsanteil des zusätzlichen Kohlenstoffs gegenüber dem Einatmen ist ca. 0.01 Gramm.

Wenn ich also 100 mal normal atme, habe ich ca. 1 Gramm Kohlenstoff aus meinem Körper entfernt ("abgenommen").

Pro Tag macht das ca. 270 Gramm aus, die ich ganz kostenlos abnehme. Klappt natürlich nur, wenn ich nichts mehr esse Very Happy

Nimmt mein Darm mehr als diese 270 Gramm Kohlenstoff am Tag aus der Nahrung auf, werde ich dicker. Sind es weniger, werde ich dünner.

Daraus ergeben sich jetzt also die üblichen Diatstrategien:
- Viel Sport (= mehr Atmen) bei gleicher Naährstoffaufnahme (klappt selten).
- Die Kohlenstoffaufnahme des Darms erschweren (viel unverdauliche Kohlenwasserstoffe wie z.B. Zellulose (= Ballaststoffe) zuführen, das Gewicht der Nahrung dabei gleich halten.
- Kohlenwasserstoffe durch Wasser ersetzen (Obst, Gemüse statt Fett und Proteine)
usw.

An den physikalischen Grundgesetzen kommt aber keine Diät vorbei: Was reingeht, muss auch wieder raus, sonst bleibt es drin Smile

P.S.: Ich habe durch den Bürojob über die Jahre langsam zugenommen. Im Sommer habe ich beschlossen, das zu ändern, futtere dasselbe in denselben Mengen wie vorher (mit ein wenig mehr Achtung drauf, wann ich satt bin) und mache ein klein wenig Sport (1 h pro Woche weit verteilt). Ergebnis: Bis jetzt 800g pro Monat kontinuierlich weniger auf der Waage (mit kleinen Zwischenausschlägen nach oben, die aber nach ein paar Tagen wieder verschwinden). Wenn alles so weiterläuft (und warum sollte es nicht), bin ich Ende des Jahres unter 100 kg (bin 1,91m groß). Damit wär ich schon zufrieden.
Re: Wie nimmt man denn nun wirklich ab? [Beitrag #403094 ist eine Antwort auf Beitrag #403090] Mo, 18 Januar 2010 14:30 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
osso ist gerade offline  osso
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Zitat:

An den physikalischen Grundgesetzen kommt aber keine Diät vorbei: Was reingeht, muss auch wieder raus, sonst bleibt es drin

Meine Reden seit anno dunnmal. Such mal im Forum nach "negativer Energiebilanz"
Aber wie man die dann im praktischen leben erreicht darüber sagt die Physik leider nichts.

Und zweites ist ein Mensch ein dynamische biologisches System, das sich veränderten Bedingungen anpasst.




Start: 115 kg
ich habe keine (genaue) Waage mehr, Bauchumfang ~90cm ≈ bisschen Winterspeck
Mein Tagebuch
Re: Wie nimmt man denn nun wirklich ab? [Beitrag #403149 ist eine Antwort auf Beitrag #403090] Mo, 18 Januar 2010 17:17 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
gouvi
Beiträge: 1725
Registriert: April 2009
Senior Member
Über welche Maßeinheit ich die Verstoffwechslung messe ist wurst, d.h. ob ich als Einheit Joule oder Kohlenstoff in mg wähle, ist egal.

Größe 170cm (oder 171cm, je nach dem, wann ich mich messe ...)

http://tickers.TickerFactory.com/ezt/t/wfvq8yF/weight.png

Re: Wie nimmt man denn nun wirklich ab? [Beitrag #411699 ist eine Antwort auf Beitrag #403090] Mi, 24 Februar 2010 21:37 Zum vorherigen Beitrag gehenZum nächsten Beitrag gehen
kisha ist gerade offline  kisha
Beiträge: 64
Registriert: Februar 2010
Ort: Berlin
Member
TToni schrieb am Mo, 18 Januar 2010 14:05


- Die Kohlenstoffaufnahme des Darms erschweren (viel unverdauliche Kohlenwasserstoffe wie z.B. Zellulose (= Ballaststoffe) zuführen, das Gewicht der Nahrung dabei gleich halten.
- Kohlenwasserstoffe durch Wasser ersetzen (Obst, Gemüse statt Fett und Proteine)
usw.





Laughing Laughing

Aus chemischer Sicht unhaltbar; da ich aber mit einem Physiker mein Bett teile und mir diese Verunglimpfung herrlicher organischer Chemie nicht neu ist, fühlte ich mich doch gut unterhalten bei deiner Abhandlung.

Liebe Grüße aus der Nachbarwissenschaft

eine Jungchemikerin Smile



Startgewicht: 75 kg
1. Ziel: U73kg Erreicht am:
2. ziel: U70kg Erreicht am:
3. Ziel: U68kg Erreicht am:
4. Ziel: U65kg Erreicht am:
5. Ziel: U63kg Erreicht am:
Traumgewicht: 60 kg
Re: Wie nimmt man denn nun wirklich ab? [Beitrag #412526 ist eine Antwort auf Beitrag #403090] So, 28 Februar 2010 16:07 Zum vorherigen Beitrag gehen
Pinguin98 ist gerade offline  Pinguin98
Beiträge: 6728
Registriert: Juni 2006
Ort: Pfalz / Weinstrasse
Senior Member
hahaha, danke für den klasse Bericht. Und ETWAS wahres ist ja schon dran. Laughing Laughing Laughing

Liebe Grüsse
Steffi
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"There's always a seed before there's a rose. The more it will rain the more I will grow."(Roots before Branches by Room for Two)
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