Fitness-Tracker – kein Nutzen für viel Geld?

Fitness-Tracker helfen nicht beim Abnehmen

Wie effektiv ist das neue must-have der Fitness-Szene, also Fitness-Tracker, Fitness-Armbänder oder -Uhren wie fitbits etc., wenn es um Gewichtsverlust geht? Eher weniger, betrachtet man die Ergebnisse einer großangelegten Studie des Journal of American Medical Association (JAMA).

Die JAMA-Studie

Die betreffende Studie wurde von 2010 bis 2012 über einen Zeitraum von 2 ganzen Jahren durchgeführt, und zwar als randomisierte kontrollierte Studie nach streng wissenschaftlichen Kriterien.
Die Teilnehmer waren 18 bis 35 Jahre alt, zum Großteil Weiße (71,1%) und überwiegend Frauen (77,2%). Ihr Body-Mass-Index rangierte im Bereich von 25 bis 40, also von leicht bis extrem übergewichtig.
In der ersten Phase der Studie wurde den 470 Teilnehmern eine strenge Diät verordnet, kombiniert mit einem Trainingsprogramm. Nach 6 Monaten wurde die Gruppe geteilt: Die eine Hälfte wurde mit einem Fitness-Tracker ausgerüstet und musste diesen in der restlichen Zeit benutzen, die andere Hälfte bekam die Anweisung, ihre Nahrungsaufnahme und sportliche Betätigung selbst zu planen und aufzuzeichnen.

Überraschendes Ergebnis

Das Ergebnis war eindeutig: Beide Gruppen verloren zwar an Gewicht und steigerten ihre Fitness im Vergleich zum Ausgangsniveau, aber diejenigen, die ihren Ernährungs- und Bewegungsplan selbst aufstellten und überwachten waren dabei deutlich erfolgreicher, was den Gewichtsverlust anging. Sie brachten im Schnitt 5,9 Kilo weniger auf die Waage als zu Beginn der Studie, während die durch Technologie unterstützte Gruppe langfristig nur 3,5 Kilo an Gewicht verloren hatte.

Bringen Fitness Tracker nur den Kassen der Hersteller Gewinn?

Das neue technologische Lieblingskind der Fitnessindustrie bringt also seinen Herstellern Millionenumsätze, aber eher keinen Vorteil für seine Benutzer. Diese sind mit den vielfältigen herkömmlichen Methoden genauso erfolgreich, wenn es um die Steigerung der Fitness geht. Und sie sind damit sogar noch besser beraten, wenn ihr Ziel nicht nur ein erhöhtes körperliches Leistungsniveau ist, sondern auch ein stabiler langfristiger Gewichtsverlust.

Willenskraft effektiver als technische Spielereien

Den Grund für dieses doch überraschende Ergebnis vermuten die Wissenschaftler in der Tatsache, dass die Betroffenen dazu neigen könnten, die eigene Verantwortung für den Erfolg ihrer Bemühnungen an die Technik zu delegieren, sprich sich durch die Anschaffung eines Geräts von der mühevollen Verpflichtung zu eigener Anstrengung und Selbstverantwortung quasi "loszukaufen".
Dabei stellt nach Ansicht der Autoren der Studie das Durchhaltevermögen des Einzelnen den zentralen Erfolgsfaktor aller Bemühungen um Gewichtsabnahme dar. Ein anfänglicher Gewichtsverlust - und das belegt nicht nur die eigene Erfahrung, sondern auch zahlreiche Studien - ist meist relativ einfach zu erreichen. Ungleich schwieriger ist es, diesen auch über einen längeren Zeitraum konstant zu halten und eben nicht in die Falle das bekannten Jo-Jo-Effekts zu geraten.
Und um dieses Ziel zu erreichen, scheint es deutlich wirkungsvoller - wenn auch ungleich mühsamer - zu sein, auf die Aktivierung von eigener Willenskraft und Selbstverantworung zu setzen, als sich auf die zwar mit teurem Geld erkaufte, aber ansonsten eher bequeme technische Unterstützung zu verlassen.