Dickbäuchige leben gefährlicher: Taillenumfang ist Risikofaktor für Herzinfarkt und Diabetes
Christiane Limberg, Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.
12.04.2007
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.
12.04.2007
73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in
Mannheim
Mannheim, Donnerstag 12. April 2007. Dickbäuchige leben
gefährlicher als Personen mit vergleichsweise weniger Fett um die Hüfte. "Der
Taillenumfang erlaubt eine bessere Vorhersage der Entwicklung eines
Herzinfarktes, von Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen als zum
Beispiel der Body-Mass-Index (BMI)", sagt Priv.-Doz. Dr. Philipp Stawowy
(Deutsches Herzzentrum Berlin) auf einer Pressekonferenz anlässlich der 73.
Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, die heute in
Mannheim beginnt. "Allein ein erhöhter Taillenumfang steigert das Risiko, in
den nächsten fünf Jahren das Metabolische Syndrom zu entwickeln, um bis 46
Prozent." Personen mit einem Metabolischen Syndrom haben ein stark erhöhtes
Risiko für Diabetes Typ 2, Herzinfarkt und Schlaganfall. Liegt eine
Körperfettkonzentration um die Hüfte ("abdominelle Adipositas") vor, so
erhöht sich das Erkrankungsrisiko bereits bei noch normalem BMI (Kilogramm
Körpergewicht pro Quadratmeter Körperoberfläche).
"Untersuchungen zeigen, dass das Fettgewebe um die Hüfte nicht nur der
Energiespeicherung dient, sondern ein endokrines Organ, also eine Art Drüse
mit vielfältigen Stoffwechsel-Effekten ist", erklärt Priv.-Doz. Stawowy.
"Starkes Übergewicht ist Wegbereiter für Typ 2 Diabetes mellitus,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmte Krebsformen, Erkrankungen des
Bewegungsapparates, der Atmungsorgane und des Magen-Darm-Traktes."
Entsprechend den Empfehlungen der WHO ist der Normalwert bei Frauen ein
Taillenumfang von bis zu 80 Zentimeter, bei Männer bis zu 94 Zentimeter.
Übergewicht besteht bei Frauen bei einem Taillenumfang zwischen 80 und 88
Zentimeter, bei Männern zwischen 94 und 102 Zentimeter. Das Stadium Adipositas
(Fettleibigkeit) ist erreicht, wenn der Taillenumfang bei Frauen 88
Zentimeter und bei Männern 102 Zentimeter überschreitet.
Nur ein Drittel der männlichen Bevölkerung Deutschlands ist
normalgewichtig, bei Frauen etwas weniger als die Hälfte. Über die Hälfte der
deutschen Bevölkerung ist mindestens übergewichtig, etwa 20 Prozent haben
bereits das Stadium Adipositas erreicht.
"Übergewicht und Fettleibigkeit", so Prof. Dr. med. Ulrich Kintscher
(Charité-Universitätsmedizin Berlin), "verursachen Insulinresistenz,
führen zu erhöhten Blutspiegeln an freien Fettsäuren und Triglyzeriden,
beeinflussen die Blutgerinnung negativ und erzeugen eine chronische
Entzündung. Zusätzlich werden klassische Risikofaktoren wie Diabetes
mellitus, ungünstige Blutfettwerte und Bluthochdruck durch ein erhöhtes
Körpergewicht bedingt. So haben mehr als zwei Drittel der Patienten die einen
Herzinfarkt erleiden ein erhöhtes Körpergewicht."
Fettleibigkeit als schützender Faktor nach einem Infarkt scheint
fraglich
Wenn aber Übergewichtige oder Fettleibige einen Herzinfarkt erlitten
haben bzw. an einer koronaren Herzerkrankung erkrankt sind, haben sie dann auch
ein erhöhtes Risiko zu versterben, oder sind sie vielleicht durch das erhöhte
Körpergewicht geschützt? Jedenfalls wurde in einer Studie mit 527.265
Patienten aus den USA (Adams KF et al., New Engl J Med 2006), dass Übergewichtige
mit einem BMI zwischen 25 und 29.9 kg/m2 zu der Gruppe mit dem niedrigsten
Sterblichkeitsrisiko gehörten.
"Bei genauer Betrachtung der bisher veröffentlichten Studien scheint
die schützende Rolle der Fettleibigkeit nach Herzinfarkt jedoch fraglich",
analysiert Prof. Kintscher. "In den meisten Studien wurde der BMI als Maß für das
Körpergewicht bzw. die Fettleibigkeit untersucht. Der BMI setzt sich zusammen
aus Körperfettmasse und der Magermasse (Muskelmasse, Knochen, Wasser, etc.)
und scheint nicht das optimale Werkzeug zur Messung der Fettleibigkeit zu sein.
Benutzt man jedoch den Taillenumfang zur Abschätzung der Fettleibigkeit, so
konnte eindeutig gezeigt werden, dass mit Zunahme der abdominalen Adipositas
das Sterblichkeitsrisiko und das Re-Infarktrisiko ansteigen." Eine
langfristige Gewichtsreduktion nach Herzinfarkt im Rahmen von
Rehabilitationsprogrammen steht weiterhin im Mittelpunkt der
Prognoseverbesserung, so Prof. Kintscher.
Weitere Informationen und Kontakt:
Prof. Dr. Eckart Fleck, Pressesprecher der DGK
Christiane Limberg, Pressereferentin der DGK, Tel. im Kongresszentrum 0621-41065002
Roland Bettschart, B&K Medien- und Kommunikationsberatung, Tel. im Kongresszentrum 0621-4106-5003 oder mobil 0043 676 6356775
Prof. Dr. Eckart Fleck, Pressesprecher der DGK
Christiane Limberg, Pressereferentin der DGK, Tel. im Kongresszentrum 0621-41065002
Roland Bettschart, B&K Medien- und Kommunikationsberatung, Tel. im Kongresszentrum 0621-4106-5003 oder mobil 0043 676 6356775
