Hoodia: kein Wundermittel zu abnehmen

Was ist Hoodia?

Hoodia Gordonii ist eine stachlige, dem Kaktus ähnelnde Pflanze mit bitterem Geschmack, deren Blüten einen muffigen Geruch verbreiten. Schon lange ist sie beim Volk der San dafür bekannt, dass sie den Appetit zügelt. Die San essen sie daher auf Reisen durch die Kalahari, der Heimat der Hoodia, als Mittel gegen Hunger. Auch bei Verdauungsstörungen und Infektionen wird die Pflanze genutzt.
Die hungerstillende Wirkung der Hoodia soll auf den Inhaltsstoff P57 zurückzuführen sein, der aus der Pflanze isoliert werden kann. Dies gelang erstmals 1977 dem „Council for Scientific and Industrial Research“ (CSIR), einem Forschungszentrum in Südafrika, das 1996 daraufhin ein Patent für ein Diätmittel, das auf P57 basiert, anmeldete.
Der Pharmakonzern Pfizer war zunächst an der Produktentwicklung beteiligt, gab das Patent jedoch an den Lebensmittelkonzern Unilever ab, der 2009 die ersten Hoodia-Produkte auf den Markt bringen will.
Ab 2003 sind auch die San an der Lizenz beteiligt und erhalten Geld als Gegenleistung für die Nutzung ihres Wissens und der Hoodia. San-Kommunen können bei einem Treuhandfond Geld beantragen, das sie für soziale Projekte nutzen können.

Ist Hoodia die Lösung aller Gewichtsprobleme?

Diese Frage ist eindeutig mit „Nein“ zu beantworten, da die Wirksamkeit von Diätmitteln auf Hoodia-Basis nicht nachgewiesen werden konnte. Es existieren keine veröffentlichten Studien, die die appetitzügelnde Wirkung belegen. Daher sind solche Produkte, laut der deutschen Adipositas-Gesellschaft, nicht für eine Diät geeignet.
Trotz der Analyse und Identifizierung von P57 in der Pflanze muss der Stoff nicht zwangsläufig appetitzügelnd wirken. Experimente an Ratten zeigten, dass P57 schnell von der Leber abgebaut wird, weshalb der Effekt nicht nachgewiesen werden konnte. Vielleicht wird die Verringerung des Appetits auch nur durch den unangenehmen Geschmack der Hoodia hervorgerufen.
Die Nebenwirkungen der Hoodia-Präparate sind bis heute ungeklärt, da es keine ausreichenden Studien gibt. Doch schon während der Entwicklung eines Diätmittels mit Hoodia haben Forscher bei Pfizer erste ungewollte Effekte bemerkt: so hatten Bestandteile der Pflanze, die schwer von P57 zu trennen sind, Auswirkungen auf die Leber. Außerdem wird ein Großteil des aufgenommenen P57 wieder ungenutzt ausgeschieden. Die Menge, die nötig wäre, um einen appetitzügelnden Effekt zu erzielen, ist immens und wird in keinem erhältlichen Hoodia-Mittel erreicht.

Hoodia der Artenschutz?

Bis heute kann P57 nicht auf synthetischem Weg hergestellt, sondern nur aus der Hoodia gewonnen werden. Dies hat extreme Folgen für den Hoodia-Bestand. Durch den großen Boom, den die Hoodia-Produkte erlebt haben, und die stark gewachsene Nachfrage, haben sich die Hoodia-Bestände drastisch verringert, da besonders die Wildpflanzen gefragt sind, die angeblich stärker wirken als gezüchtete Hoodia. Es kam zu vermehrten Wildsammlungen, sodass die Anzahl der Pflanzen stark dezimiert wurde. Dies ist ein generelles Problem, das alle Wildpflanzen betrifft, denen eine heilende oder helfende Wirkung nachgesagt wird. Auf Grund dieser Gefahr der Ausrottung müssen die San schon heute neue Populationen von Hoodia anpflanzen, doch auch diese brauchen Zeit um zu wachsen.

Finger weg von Hoodia Produkten!

Trotzdem Unilever erst 2009 die ersten Hoodia-Produkte auf den Markt bringen will, sind im Internet schon viele dubiose Präparate zu finden. Die Angebote übersteigen bei weitem die Zahl der Hoodia-Pflanzen, sodass stets kritisch betrachtet werden sollte, ob das angepriesene Wundermittel überhaupt die versprochenen Bestandteile enthält.
In Deutschland sind Hoodia Präparate weder als Medikamente noch als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Es sind spezielle Aus- und Einfuhrgenehmigungen für das Herkunftsland und Deutschland nötig, um Hoodia-Produkte legal vertreiben und erwerben zu können. Selbst der Handel im Inland ohne Genehmigungen ist illegal. Dies gilt auch für den Kauf über das Internet. Im Falle eines Verstoßes gegen die Vorschriften können Bußgelder und Strafverfahren (sowohl für den Verkäufer, als auch für den Käufer) folgen. Die Wirkung der Präparate ist ungewiss und die Nebenwirkungen sind ungeklärt. Das Risiko übersteigt daher bei weitem den (angeblichen) Nutzen!