Insulinresistenz könnte durch zu proteinreiche Ernährung in Kombination mit zu viel Fett entstehen
Das Hormon Insulin wird im gesunden Körper in ausreichender Menge
von der Bauchspeicheldrüse produziert und hält den Blutzuckerspiegel
auf einem angemessen niedrigen Niveau. Bei einigen Menschen schlägt
jedoch Insulin- sowohl körpereigenes als auch gespritztes- weniger an,
wodurch sich die Blutzuckerwerte erhöhen. Diese mangelnde körperliche
Verarbeitungsfähigkeit ist seit den 60er Jahren als Insulinsresistenz
bekannt und bildet die Hauptursache der Diabetes des Typs 2. Zwar sind
die einzelnen Faktoren, die Insulinresistenz bedingen, noch weitgehend
ungeklärt, allerdings gelten Übergewicht, Bewegungsmangel und
Stoffwechselstörungen als nahezu sicher beteiligt.
Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Protein-Konzentration
Die seit längerem bestehende Hoffnung, dass eine Ursache in der
Blutzusammensetzung übergewichtiger Personen zu finden sei, hat nun
eine Studie der Duke-University in Durham erfüllt.
Bei übergewichtigen Menschen sammeln sich bestimmte
Amino-Säure-Ketten, die sich „branched-chain-amino-acids“- kurz: BCAA-
nennen, in erheblich höherer Konzentration als bei normalgewichtigen
Menschen im Blut. Bei den BCAA handelt es sich um verzweigte Ketten
aus den Aminosäuren Valin, Leucin und Isoleucin, die bei körperlicher
Aktivität der Muskulatur direkt zur Energielieferung zur Verfügung
stehen und sofort verbraucht werden können. Sie finden sich in nahezu
allen Nahrungsproteinen sowohl pflanzlicher als auch tierischer
Lieferanten. Die Proteine unserer heute gewohnten Nahrung bestehen zu
20 bis 25 % aus BCAA.
Aufgrund der hohen BCAA- Kombination im Zusammenhang mit
Übergewicht entstand der Verdacht, dass diese Aminosäuren gemeinsam mit
einer fettreichen Ernährung zu Insulinresistenz führen könnten.
Das Forscherteam des Medical Center der Duke- University fand
heraus, dass die BCAA-Ketten aus den Aminosäuren selbst sowie einer
Ansammlung verschiedener Stoffe bestehen, die für die Einlagerung der
BCAA im Körper verantwortlich sind. Vor allem finden sich bei
übergewichtigen Personen auch auffallend viele
Stoffwechselrestprodukte, die darauf hindeuteten, dass die gesamte
Proteinverarbeitung durch die Überlastung erheblichen
Funktionsstörungen unterliegt.
Proteinhaltige Ernährung allein stellt kein Risiko dar
Um festzustellen, ob die Zufuhr erhöhter BCAA-Ketten allein oder
in Kombination mit Fett diese Stoffwechselstörung bedingt, führten
Christopher Newgard als Leiter der Studie und seine Kollegen des
Medical Center eine Untersuchung an Ratten durch, deren Ergebnisse
jedoch erst durch Tests an Menschen gesichert werden müssten, bevor
sich daraus Empfehlungen zur Ernährung ableiten ließen.
Die Ratten wurden mit Futter in unterschiedlichen BCAA- und
Fettgehalten, von rein fetthaltiger über fettarme aber überhöht
proteinhaltige bis zu normaler und diätischer Ernährung, gefüttert. Im
Ergebnis entwickelten nur die Tiere schnell Insulinresistenz, die
Fette und BCAA kombiniert in überdurchschnittlich hoher Dosis erhalten
hatten. Auch bildete sich bei den Ratten, die mit sehr fetthaltiger
Nahrung ohne BCAA ernährt worden waren, Insulinresistenz heraus,
allerdings in geringerem Umfang, außer, wenn sie insgesamt erheblich
mehr Nahrung aufnahmen. Ratten, die viel BCAA aber wenig Fett aßen,
zeigten ebenso wie die normal ernährten keine Veränderung.
Newgard betont ausdrücklich, dass nach diesen Erkenntnissen
nichts gegen eine eiweißreiche Ernährung spricht, solange nicht
zusätzlich dem Körper mehr Fett zugeführt wird als er verarbeiten
kann. Probleme könnten nur entstehen, wenn zu einer übermäßig fetten
Ernährung auch noch viel Eiweiß hinzukäme. Beides sollte schließlich
am besten in Maßen genossen werden.
Quelle
Duke Medicine News Too Much Protein, Eaten along with Fat, May Lead to Insulin Resistance
