Was uns am besten satt macht

Makronährstoffverteilung und das Hungerhormon Ghrelin

Viele bekannte Diät-Methoden basieren auf Veränderungen der Zusammensetzung von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten in der Nahrung. Über den Sinn solcher Nährstoff-Diäten wurde in der Vergangenheit viel und kontrovers diskutiert, ohne dass fundierte Forschungsergebnisse die eine oder andere Theorie im Wesentlichen bestätigen konnten.
Eine aktuelle Studie, die im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (JCEM) veröffentlicht wurde, konnte etwas Licht in das Dunkel der unerforschten Zusammenhänge zwischen Nährstofftypen und Gewichtsreduktion bringen.

Die Auswirkungen der Makronährstoffe auf den Ghrelin-Spiegel

Die Untersuchung befasste sich mit den Auswirkungen der verschiedenen Nährstofftypen auf die Konzentration des Hormons Ghrelin im menschlichen Blut. Ghrelin ist ein vom Magen abgesondertes Hormon, das bisher als einziges dafür bekannt ist, den Appetit anzuregen. Grundsätzlich steigt der Ghrelin-Pegel kurz vor einer Mahlzeit an, um nach dem Essen unverzüglich wieder abzusinken. Das bekannte Phänomen, dass nach manch einem Essen das Hungergefühl nicht vergehen will, nach einem andern aber die Sättigung über viele Stunden anhält, wirft seit langem die Frage auf, wie welche Nahrungsbestandteile das für den Appetit zuständige Hormon beeinflussen.
Die Testpersonen der Studie bekamen drei Mahlzeiten in jeweils hochkonzentrierten Zusammensetzungen der Makronährstoffe Kohlenhydrate, Fette und Proteine. Vor der ersten Nahrungsaufnahme und jeweils in Abständen von 20 Minuten über einen Gesamtzeitraum von 6 Stunden wurden den Probanden Blutproben entnommen, an denen die jeweiligen Ghrelin-Konzentrationen gemessen wurden.

Kohlenhydrate senken den Ghrelin-Spiegel nur kurzfristig am stäksten

Die Ergebnisse zeigten, dass nach der Aufnahme von Fetten der Ghrelin-Level relativ hoch blieb, was zur Folge haben könnte, dass der Körper ein anhaltendes Hungergefühl verspüre, wie Dr. Karen Foster-Schubert von der University of Washington in Seattle erläutert. Dagegen führte die Aufnahme von Proteinen über den gesamten Zeitraum betrachtet zu der deutlichsten Absenkung des Ghrelin-Spiegels.
Kohlenhydrate bewirkten zwar kurzfristig eine noch erheblichere Absenkung als Proteine, nach etwa 3 Stunden jedoch pendelte sich der Hormonspiegel überraschenderweise sogar auf einem noch höheren Nivea als zuvor wieder ein.
Die Besonderheit an der vorliegenden Studie liegt darin, dass sie erstmals den Ghrelin-Spiegel im Zusammenhang mit allen drei Makronährstoffen über einen längeren Zeitraum nach der Nahrungsaufnahme untersuchte. Bisherige Forschungen hatten zumeist entweder einen kürzeren Zeitraum nach dem Essen im Blick oder untersuchten nur die Unterschiede zwischen zwei Nahrungsmitteln in weniger strikt abgrenzbarer Zusammensetzung.

Fruchtbarer Ansatz für die weitere Diät-Forschung

Während der fast gleichbleibend hohe Pegel nach der Fettzufuhr und die Senkung des Ghrelin-Spiegels nach Proteinaufnahme die Forscher nicht überraschten, war das Ergebnis, dass kohlenhydratreiche Nahrung nur für eine kurzfristige Senkung sorgt, um bald darauf noch stärker anzusteigen, eine für sie neuartige und aufschlussreiche Entdeckung.
In welchen einzelnen Prozessen sich die Wirkung der Makronährstoffe auf die Konzentration des Ghrelins vollzieht, ist noch weitgehend ungeklärt.
Die Ergebnisse könnten sich allerdings als grundlegend für die weitere Erforschung dieser Zusammenhänge und damit auch der Wirksamkeit zahlreicher Diäten erweisen. Möglicherweise ließe sich daraus der Vorzug einer proteinreichen und kohlenhydratarmen Ernährung für die Gewichtsreduktion ableiten, die die Ergebnisse dieser Studie bereits andeuten. Für eine exakte Ernährungsempfehlung müssten diese Resultate jedoch noch umfangreich abgesichert werden.
Vor allem ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig unklar wie sich die verschiedene Kombinationen der Makronährstoffe auf den Grelinspiegel auswirken. In der Praxis wird ja in der Regel kein Makronährstoffe allein eingenommen. Zudem bleibt auch die Frage offen inwieweit andere Eigenschaften der Lebensmittel einen Einfluss auf den Grelinspiegel haben