Feldsalat
Allgemeines
Der Feldsalat (Valerianella locusta ( L.) Laterr.) gehört zu den
Baldriangewächsen (Valerianaceae) und ist regional unter vielen
verschiedenen Namen bekannt wie Rapunzel, Lämmersalat, Ackersalat,
Ackerlattich, Rebkresse, Sunnewirbeli oder Mäuseöhrchen. Die Schweizer
nennen ihn „Nüssli“ oder „Nüsseler“, die Österreicher „Vogerlsalat“.
Der Feldsalat, auch als „König der Salate“ bezeichnet, ist in ganz Eurasien
beheimatet, etwa vom 60. Grad nördlicher Breite bis zur Linie von den Kanaren
über Nordafrika zum Kaukasus. Als frostharte, wildwachsende Pflanze ist er als
Ackerunkraut auf Feldern mit Wintergetreide, in Weinbergen und an Feld- und
Wegrändern zu finden.
Der Feldsalat ist ein einjähriges Kraut, ist winterhart bis zu Temperaturen von
minus 15 Grad Celsius. Er wird bevorzugt im Spätsommer, aber auch im Herbst oder
Winter, auf bereits abgeernteten Beeten ausgesät, muss allerdings regelmäßig
feucht gehalten werden, solange die Pflänzchen klein sind. Innerhalb von 50 bis
60 Tagen nach der Aussaat wächst eine bis 25 Zentimeter hohe Pflanze heran und die
Blätter bilden eine Rosette, die dann geerntet und verzehrt werden kann. Beim
einer Aussaat im Winter verzögert sich das Wachstum der kleinen Rosetten bei
Temperaturen unter 4 bis 8 Grad Celsius; diese können dann aber im zeitigen
Frühjahr geerntet werden. Die Pflanze selbst verbleibt in jedem Falle im Boden
und treibt im April ihre zierlichen Blütenstängel aus mit zarten blassblauen
bis hellvioletten Blüten. Im Juni oder Juli bilden sich die Samen und die Pflanze
stirbt ab. Feldsalat ist relativ anspruchslos, so dass nicht extra gedüngt
werden muss. Als Nachkultur kommen sie mit den Nährstoffen der vorangegangenen
Kultur zurecht.
Erst seit dem 20. Jahrhundert wird Feldsalat als Kulturpflanze gezogen,
zunächst in Frankreich, dann in der Schweiz und etwas später in Süddeutschland.
Heute wird Feldsalat neben Deutschland, Frankreich und der Schweiz in größerem
Umfang auch in England, Italien und den Niederlanden angebaut, wo er nicht nur im
Freiland, sondern auch in Gewächshäusern oder Plastiktunneln kultiviert
wird. Früher wurde Feldsalat wildwachsend auf Wiesen und Feldern gesammelt, da
er auch zu späteren Zeiten im Jahr noch anzutreffen war, in denen andere Salate
und Blattgemüse schon nicht mehr wuchsen. Dass Feldsalat jedoch auch schon in
früheren Zeiten kultiviert worden ist, beweisen Funde von Samen zweier Arten
des Feldsalat aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit an mehreren Seen des
Alpenvorlandes.
In alten Kräuterbüchern findet man auch gelegentlich Hinweise auf „Rapuntzel“,
die sich auf die kleinen Blattrosetten der blaublühernden Glockenblume
beziehen, die ebenfalls gesammelt und verzehrt wurden. Dass beide mit dem
gleichen Namen bezeichnet wurde, ist wohl auf das ähnliche aussehen der
Blattrosetten zurückzuführen. Eine botanische Verwandtschaft besteht
nicht.
Einkauf und Lagerung
Da Feldsalat einen hohen Ernteaufwand erfordert, liegen die Prise relativ hoch,
allerdings sind wegen des geringen Gewichtes auch schon etwa 150 Gramm
ausreichend für vier Personen als Salatbeilage zum Essen.
Feldsalat ist in der Regel von August bis April auf dem Markt anzutreffen. Der
unter Glas oder Tunnel gezogene Feldsalat ist zarter als die Freilandware. Er
sollte ohne Wurzelansätze und nicht aufgeschossen sein und wird meist schon
sauber gewaschen und geputzt angeboten. Dennoch muss er vor dem Verzehr
mehrmals gut in viel Wasser gewaschen werden, um die Sandreste zu entfernen. Da
er etwas empfindlich ist, sollte der Feldsalat nicht unter fließendem Wasser
gewaschen werden. Außerdem ist dadurch der Sand nicht so gut herauszuwaschen.
Beim Einkauf sollte man darauf achten, dass die länglichen, abgerundeten
Blätter, die eine dunkelgrüne oder, je nach Sorte, auch eine weißlich-violette
Farbe haben, eine knackig-frische Konsistenz aufweisen, da schon angewelkte
Blätter bereits viel an Geschmack und Nährstoffgehalt eingebüßt haben.
Feldsalat lässt sich gut gekühlt, im Gemüsefach des Kühlschranks, gut feucht
gehalten in Plastikbeuteln, zwar einige Tage aufbewahren. Wegen des raschen
Vitaminverlustes ist es allerdings besser, ihn so erntefrisch wie möglich zu
genießen. Besonders knackig wird er, wenn man ihn vor dem Verzehr für ein paar
Minuten in Eiswasser legt.
Da Feldsalat stickstoffhaltige Salze der Salpetersäure speichert, wie viele
Blattgemüse, weist er einen von der Düngung und der Belichtung abhängigen
Nitratgehalt auf. Wurde das Feld stark gedüngt, enthält der Feldsalat viel
Nitrat (NO3), was bei Freilandware wiederum durch die Einwirkung von
Tageslicht abgebaut wird, so dass im Freien gezogener Feldsalat deutlich
weniger Nitrat enthält. Noch weniger Nitrat enthält Feldsalat aus
kontrolliertem biologischem Anbau. Ein geringer Anteil ist jedoch immer
vorhanden, was auch unvermeidlich ist, da Stickstoff (N) natürlich im Boden
vorkommt und von Pflanzen zum Aufbau von Eiweiß benötigt wird. Im menschlichen
Körper wird Nitrat zu Nitrit umgewandelt und ist beteiligt an der Bildung der
Nitrosamine, denen man krebserregende Wirkung nachsagt. Jedoch sind die für
den Menschen positiv wirkenden Bestandteile des Feldsalats wesentlich höher.
Sorten
Aus Süddeutschland kommt eine kleinblättrige Feldsalatsorte, die
„Stuttgarter“ genannt wird. Sehr bekannt ist auch der "Dunkelgrüne
Vollherzige" mit dunkelgrünen Blättern, der als ganze Rosette im Handel ist.
Der italienische Feldsalat hat gelbgrüne Blätter und aus den Niederlanden
stammt der lose als einzelne Blätter verkaufte „Holländische Breitblättrige“
mit besonders großen hell- bis mittelgrünen Blättern, die relativ teuer ist.
Inhaltsstoffe und Gesundheit
Schon zur Zeit des Wanderfeldbaus, als man viele Wildkräuter bestimmten
Göttern, Geistern und Dämonen zuordnete, schrieb man dem Feldsalat die Aufgabe
zu, vor dem „bösen Winterdämon“, dem „bösen Scharbock“, zu schützen. Damit ist
Skorbut, eine Vitamin-C-Mangelerkrankung, gemeint.
Feldsalat hat einen fast doppelt so hohen Vitamin-C-Gehalt wie Kopfsalat und
fördert somit die Bildung von Abwehrkräften gegen Infektionen. Außerdem sind
die Vitamine B6 und E enthalten und sehr viel Provitamin A, auch als Beta-Carotin
bekannt. Dies wird nach der Aufnahme aus pflanzlicher Nahrung im Körper zu
Vitamin A umgewandelt. Vitamin A wird dann in der Leber gespeichert und ist
wichtig für die Haut und die Schleimhäute im Mund, in der Lunge, in den Nieren, den
Geschlechtsorganen und dem Verdauungstrakt und schützt sie vor Umweltschäden
und Infektionen. Außerdem ist Vitamin A beteiligt an der Bildung eines
Sehpigmentes in der Netzhaut und fördert das Hell-Dunkel-Sehen. Nach
Petersilie hat Feldsalat den zweithöchsten Eisengehalt unter den
Gemüsesorten und enthält zudem noch Folsäure, Kalium, Calcium und in geringen
Mengen Magnesium, Phosphor, Kupfer und Zink. Für Schwangere ist Feldsalat
besonders wertvoll, da schon 50 Gramm ein viertel des Tagesbedarfs an Folsäure
decken. Schließlich ist Feldsalat die beste pflanzliche Jodquelle mit einem
Gehalt von 62 Milligramm Jod in 100 Gramm Feldsalat.
Die Wurzeln und Blätter enthalten ätherisches Baldrianöl, das beruhigend auf
den Magen wirkt und eine schlaffördernde Wirkung hat.
Verwendung
Besonders für Schlankheitsbewusste ist der vitaminreiche und kalorienarme
Feldsalat mit seinem feinnussigen Geschmack sehr gut geeignet. Als Salat in
einer Essig-Öl-Marinade, aber auch pikant mit Meeresfrüchten kombiniert oder
deftig mit Geflügelstreifen, mit Obst oder in einem Kräuterdressing ist
Feldsalat ein sehr gesunder Genuss.
Die Verwendung von Feldsalat als Gemüse ist eher selten, aber auch möglich.
Gelegentlich findet er als Garnitur Verwendung, die man dann aber gern essen und
nicht liegenlassen sollte.
In venestärkenden Medikamenten finden die ätherischen Öle des Feldsalat in der
Pharmazie Verwendung.
