Den inneren Schweinehund besiegen

Jede Sportart kann nur dann effizient auf den Kiloberg einwirken, wenn man sie konsequent und regelmäßig betreibt. Der schlimmste Feind der regelmäßigen Bewegung sind nicht die knirschenden Gelenke und müden Muskeln, nicht das Wetter und nicht die fehlende Zeit, sondern der Feind im eigenen Kopf, der "innere Schweinehund".
Je besser man sich immer wieder motivieren kann, desto stummer wird dieser Schweinehund. Eine sehr gute Motivation beim Berggehen sind die - besonders am Anfang - erstaunlichen Fortschritte, die man erzielt. Man wird besser, fitter - und zwar messbar! Um diese anspornenden Verbesserungen auch tatsächlich feststellen zu können, braucht man natürlich Messungen. Natürlich kann man auch mit einem Blick auf die Uhr feststellen, dass man die gleiche Strecke in kürzerer Zeit zurückgelegt hat und sich dabei subjektiv besser fühlt. Genauere Auskunft erhält man über eine Pulsuhr, am besten mit Kalorienanzeige. Nun kann man feststellen, dass man nach einigen Trainingseinheiten die gleiche Strecke in kürzerer Zeit und mit niedrigerem Puls zurückgelegt hat. Es tut sich was im Körper! Für Menschen, die bisher mit Sport am ehesten im TV zu tun hatten, ist das eine völlig neue und sehr spannende Erfahrung: Mein Körper ist leistungsfähig, trainierbar und steigerungsfähig! Unter den überschüssigen Kilos steckt eine Sportskanone!
Am lautesten schreit der innere Schweinehund, wenn die Zeit des Trainings heranrückt und man eigentlich losfahren bzw. losgehen sollte (falls man so glücklich ist und seinen Berg quasi von der Haustür weg begehen kann).
Es ist heute sehr heiß. Oder zu kalt. Man hat eigentlich Kopfschmerzen. Es hat geregnet, heute ist es im Wald so rutschig. Im rechten Knie zwickt irgendwas. Die Wolken da drüben sehen aber verdammt schwarz aus. Eigentlich hat man so viel anderes zu tun! Ich bin heute viel zu müde. Höllisch viel Verkehr heute. So überhaupt keine Lust, verdammt noch mal! Die Liste der Ausreden, warum man gerade heute nicht losgehen will, wird immer imposanter, je länger man darüber nachdenkt.
Dagegen gibt es ein sehr simples, aber wirkungsvolles Hilfsmittel:
Gib dem Schweinehund keine Chance! Nicht nachdenken, sondern losgehen!
Am besten, man macht sich einen fixen Terminplan für seine Sporteinheiten. Und wenn die Zeit für diesen Termin gekommen ist, nimmt man ihn genauso wahr als sei es eine wichtige geschäftliche Verabredung. Nicht nachdenken, sondern sich entsprechend umziehen, die Tür abschließen und losmarschieren.

Welche Bergstrecken sind sinnvoll?

Wer richtige Berge in Greifweite hat, die diesen Namen verdienen, ist auf jeden Fall ein Glückspilz. Am Anfang sollte man lediglich nach Strecken suchen, die ein regelmäßiges rhytmisches Gehen ermöglichen, sodass man sich konzentriert an sein Wohlfühltempo herantasten kann. Wenn man ständig über irgendwelche Baumwurzeln klettern oder steil zwischen Felsblöcken hochkrabbeln muss, ist das nicht möglich. Da muss man sich zu sehr auf den Weg konzentrieren und kriegt unabsichtlich den Puls immer wieder hoch.

Meist wird aber eher das Problem sein, überhaupt eine brauchbare Bergstrecke zu finden.

Es muss kein richtiger Berg sein!
Schon eine längere Steigung, die man zB mit dem Auto fast gar nicht als solche wahrnimmt, ist durchaus brauchbar, um den Puls in die Höhe zu treiben. Wichtig ist lediglich, dass die Strecke lang genug ist. Oder dass wenigstens bald wietere Steigungen folgen - dann kann man eine Art natürliches Intervalltraining betreiben, und das ist auch sehr nützlich.
Wer nur solche Steigungen und keine Berge oder wenigstens Hügel zur Verfügung hat, sollte mit seinen "Geländeressourcen" sparsam umgehen. Sprich: sie erst einsetzen, wenn sie wirklich gebraucht werden.
Und gebraucht werden sie, wenn man durch flottes Gehen im FLACHEN so weit trainiert ist, dass man den Puls durch Gehen allein nicht mehr hoch bekommt. Man müsste anfangen zu laufen, und das ist für Übergewichtige bzw. ihre Gelenke nun mal nicht so toll.
Solange man mit schnellem Gehen in der Ebene auf einen Puls um 130 kommt, kann man sich die Steigung locker für die Zeit aufsparen, in der man so trainiert ist, dass der Puls auch trotz größter Mühe nicht über 100 - 110 geht.
Das sind grobe Puls-Richtwerte, die individuell stark abweichen können. Optimale Trainingspulse sind ein eigenes Kapitel, in das es sich zu vertiefen lohnt. Besonders am Anfang, wenn man den eigenen Körper und seinen Puls unter Belastung noch nicht genau einschätzen kann, ist eine Pulsuhr äußerst hilfreich.

Ausrüstung

Das Schöne ist: das Berggehen ist eine Betätigung, die noch nicht von der Ausrüstungsmafia "entdeckt" wurde. Man braucht keine Spezialhosen mit Spezialschlaufen und Verstärkungen in in-Farben usw., sondern zieht einfach das an, worin man sich wohl fühlt. Ohne das Gefühl zu haben, ausrüstungstechnisch entsetzlich hinter den Mitsportlern herzuhinken.
Wichtig sind gute und bequeme Schuhe, die den Anforderungen des Geländes angepasst sind. Hat man nur eine aspahltierte recht flache Steigung, kann man praktisch mit jedem gutsitzenden Schuh losgehen.
Ist man auf schlammigen/steinigen Waldpfaden unterwegs, sind auf Dauer Cross-Laufschuhe wegen ihres geringen Gewichts, der guten Dämpfung und der griffigen Sohle die optimale Lösung. Dabei sollte man sich in einem guten Fachgeschäft beraten lassen und massenhaft viel Zeit zum Anprobieren mitbringen. Die Schuhe sollten MINDESTENS eine Nummer zu groß gekauft werden. Knöchelhohe Schuhe haben den Vorteil, dass eine nicht optimal sitzende Ferse nicht so sehr ins Gewicht fällt (und die sitzt selten optimal). Gute Geländelaufschuhe sind nicht billig! Nachdem sie aber (außer einer guten Regenjacke) das einzige sind, in das man für diesen Sport investiert, sollte man dabei auf keinen Fall sparen.
Regenjacke: Damit man keine Ausreden hat, wenn die Wolken mal schwarz aussehen, wäre es ganz gut, sich im Laufsportgeschäft eine Regenjacke aus Funktionsmaterial zuzulegen. Auch nicht ganz billig - aber in diesen Plastikbomber-Schwitzkästen, die gemeinhin als Outdoor-Regenüberzüge verkauft werden, schwitzt man einmal und nie wieder und hat dann doch wieder die Schlechtwetter-Ausrede parat.
Auf alles andere Funktionszeug, die Microfaser-Shirts und Hosen und Socken und Unterwäsche etc. kann man getrost verzichten. Das mag gut sein für Sportarten, wo man schön langsam zart zu transpirieren beginnt. Beim Berggehen gerät man recht schnell sehr heftig ins Schwitzen. ZU heftig für alle Microfasern - dem rapiden Schweißandrang sind sie schlichtweg nicht gewachsen, man fühlt sich zunächst mal wie in einem ekligen Schwitzkasten. Wenn sie klatschnass sind, fühlen sich Micro und Baumwolle dann eben auch gleich nass an. Bloß BIS sie nass wurden, ist die Baumwolle (noch besser Baumwollfrottee) eindeutig das viel angenehmere Material.
Kurzum: Bequeme Kleidung, die viel Bewegungsfreiheit gibt ist optimal.