Olivenöl kann zu Arteriosklerose beitragen
Brigitte Nussbaum, Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster
23.01.2008
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster
23.01.2008
Einfach ungesättigte Fettsäuren haben gesundheitsschädliche
Wirkung
Cholesterinsenker gehören zu den umsatzstärksten Segmenten des
Pharmamarktes. Aber auch diätetische Maßnahmen und eine gesunde,
fettarme Ernährung sollen helfen, Arteriosklerose zu verhindern. Seit
Jahren predigen Ernährungswissenschaftler die Vorteile mediterraner
Kost. Besonders Olivenöl gilt als gesundheitsfördernd und kann nach
allgemeiner Annahme wirksam zur Senkung des Cholesterinspiegels und
damit der Verhinderung eines Herzinfarktes beitragen. Doch
Untersuchungen von Prof. Dr. Susanne Klumpp vom Institut für
Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Universität Münster und dem
Marburger Emeritus Prof. Josef Krieglstein, der in Münster derzeit als
Gastprofessor forscht, legen einen anderen Schluss nahe.
"Zwar lässt sich ein Zusammenhang zwischen mediterraner Kost und
geringerer Herzinfarktrate statistisch eindeutig nachweisen", so
Krieglstein, "doch zu mediterraner Kost gehören viele verschiedene
Komponenten." Dass es ausgerechnet das Olivenöl ist, das so
gesundheitsfördernd wirkt, sei niemals nachgewiesen worden. Im
Gegenteil: Klumpp und Krieglstein konnten jetzt zeigen, dass einige
einfach ungesättigte Fettsäuren wie die Ölsäure aus Olivenöl die
Aktivität der Proteinphosphatase Typ 2C (PP2C) massiv steigern und damit
das Risiko von Arteriosklerose und ernsthaften
Herz-Kreislauf-Erkrankungen eher erhöhen.
Proteinphosphatsen regulieren beispielsweise Enzyme, indem die
Seitengruppen eines Proteins über Phosphatmolekül modifiziert werden,
was zu einer Aktivierung oder zur Signalübermittlung genutzt wird. Sie
spielen damit eine zentrale Rolle in der Zellfunktion. Eine erhöhte
Aktivität von PP2C führt zur so genannten Apoptose, dem programmierten
Zelltod. Allerdings sind dafür relativ hohe Konzentrationen von einfach
ungesättigten Fettsäuren nötig. Diese kann in den Zellen, die die
Gefäßinnenwand auskleiden, den so genannten Endothelzellen, durchaus
erreicht werden. Das bedeutet, dass größere Mengen an Olivenöl
entsprechend große Mengen an Ölsäure freisetzen, die dann zum vermehrten
Untergang von Endothelzellen beitragen.
Die Gefäßwand wird damit durchlässiger für die Fettpartikel und weißen
Blutkörperchen, die eine Arteriosklerose verursachen, indem sie sich
anlagern und so genannte arteriosklerotische Plaques bilden. Wenn diese
platzen, erleidet der Mensch einen Herzinfarkt. Olivenöl könnte so also
die Entwicklung einer Arteriosklerose sogar fördern und nicht - wie
allgemein angenommen - eine Arteriosklerose hemmen.
Die im Labor von Klumpp und Krieglstein erzielten Ergebnisse sind
eindeutig, ungeklärt ist allerdings noch, wie die Vorgänge in einem
intakten Organismus ablaufen. Deshalb wurden gesunde Meerschweinchen
vier Monate lang mit einer ölsäurereichen Diät gefüttert. Danach konnte
allerdings keine Arteriosklerose nachgewiesen werden. "Das kann aber
auch daran liegen, dass Meerschweinchen grundsätzlich nur selten
Arteriosklerose entwickeln", so Krieglstein.
Allerdings hatten die mit Oleat gefütterten Meerschweinchen statistisch
signifikant kleinere und leichtere Herzen als die der normal gefütterten
Kontrollgruppe. Nachgewiesen wurden auch häufiger geschädigte
Herzmuskelzellen. Um ganz sicher zu gehen, dass Ölsäure auch
Herzmuskelzellen und nicht nur die Endothelzellen schädigen kann,
züchtete das Team um Klumpp sie in Zellkultur und behandelten sie unter
definierten Bedingungen mit Ölsäure. Auch hier zeigte sich eine
eindeutige Schädigung von Herzmuskelzellen. "Die landläufige Meinung,
dass Olivenöl gesund ist, muss wohl revidiert werden", so Krieglstein.
"Sicher muss vor einer endgültigen Aussage die Wirkung von Olivenöl beim
Menschen geprüft werden. Aber schon jetzt darf man berechtigte Zweifel an
den so einseitig gepriesenen Vorteilen von Olivenöl haben."
Die Wissenschaftler interessierte in diesem Zusammenhang natürlich auch
die Wirkung mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Die
anti-arteriosklerotische Wirkung von so genannten Omega-3-Fettsäuren,
wie sie in Fischöl vorkommen, ist vielfach nachgewiesen. Deshalb mussten
in den experimentellen Modellen von Klumpp auch mehrfach ungesättigte
Fettsäuren untersucht werden. Auch diese Fettsäuren konnten die
Aktivität der Proteinphosphatase steigern, allerdings nur in einer
Konzentration, wie sie im menschlichen Organismus nicht erreichbar ist.
In niedrigen Konzentrationen, wie sie im Körper vorkommen, konnten die
Wissenschaftler dagegen eine schützende Wirkung einer solchen
Fettsäure, der 3-Docosahexaensäure, auf Endothelzellen nachweisen.
Dagegen konnte für Ölsäure und andere einfach ungesättigte Fettsäuren
kein derartiger protektiver Effekt bei niedrigen Konzentrationen
festgestellt werden.
Gesättigte Fettsäuren heben die schädigende Wirkung der einfach
ungesättigten Fettsäuren teilweise wieder auf. Krieglstein und Klumpp
raten zu einer ausbalancierten Zusammensetzung der Ernährung aus
ungesättigten Fettsäuren, die eher in flüssigen Fetten, und gesättigten
Fettsäuren, die eher in festen Fetten wie Butter zu finden sind.
Weitere Informationen:
Universität Münster: Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e.V
