Gesund und effektiv abnehmen: Weight Watchers oder Fitnesscenter?
Wer abnehmen möchte, kann zwischen zwei grundsätzlichen
Alternativen wählen: bewusster kalorienarmer Ernährung oder mehr
Bewegung.
Ob beide Methoden gleichermaßen wirksam und aus medizinischer Sicht
empfehlenswert sind, hat eine Forschergruppe der Universität
Missouri unter der Leitung von Stephen Ball, Professor für
Sportphysiologie, untersucht.
Die anfänglich 85 weiblichen Testpersonen, von denen 43 bis zum
Schluss durchhielten, waren alle übergewichtig bei einem BMI von
über 25 und hatten bis dato keinen Sport getrieben oder sich weniger
als eine Stunde pro Woche intensiv bewegt. Außerdem wurden Personen
ausgewählt, deren Gewicht über die Vormonate konstant mit relativ
geringen Schwankungen von unter 7 % geblieben war.
Über einen Zeitraum von 12 Wochen nahm eine Testgruppe an
wöchentlichen Ernährungskursen und Gruppentreffen bei Weight Watchers
teil, während eine andere Gruppe 3 mal wöchentlich im Fitnesscenter
trainierte.Die Fitnesscentergruppe erhielt am Anfang eine
professionelle Trainingsanleitung, die sowohl Kraft- als auch
Ausdauertraining umfasste. Nach diesem Programm sollten die Teilnehmer
in den kommenden Wochen eigenverantwortlich trainieren.
Anschließend wurden nicht nur die Gewichtsveränderungen,
sondern auch die Körpermasse-Verhältnisse, insbesondere die
Veränderungen an Körperfettanteil und Muskelmasse, mittels einer
modernen computertomographischen Methode gemessen.
Zwar hatte es schon zuvor mehrere Studien über die Effizienz des Programms
von Weight Watchers gegeben, allerdings hatten diese sich zumeist auf
die Gewichtsveränderungen beschränkt, ohne die Veränderung der
Körperzusammensetzung zu analysieren.
Weight-Watchers motiviert aber führte zur Abnahme von Muskelmasse
Im Weight-Watchers- Programm wurden die Probandinnen über die in
Nahrungsmitteln enthaltenen Kalorien informiert und angehalten, sich
nach dem Weight Watchers Punkteplan zu ernähren und ihre
Essgewohnheiten detailliert zu dokumentieren. Bei den wöchentlichen
Gruppentreffen konnten sie außerdem ihre Erfahrungen untereinander
austauschen und weitere Informationen und Anleitung bekommen.
Am Ende hatten sie jeweils zwischen 4 und 5 kg Gewicht verloren,
was etwa 5 % ihres Gesamtgewichts entsprach.
Insbesondere ergab aber die computertomographische Messung, dass wenig Fettgewebe reduziert aber dafür Muskelmasse in erheblichem Umfang abgebaut worden war. Die Körperzusammensetzung, und damit der Körperfettanteil, blieb unverändert
Den Verlust von Muskelmasse hatten die Forscher zwar erwartet, waren jedoch vom Ausmaß überrascht.
Fitnesscentergruppe reduziert kaum Gewicht verbessert aber den Stoffwechsel
Die Teilnehmerinnen der Fitnessgruppe zeigten nach 12 Wochen
entweder keine Gewichtsveränderungen oder nur geringe, statistisch
nicht signifikante, Abnahmen. Dafür ergab die Messung, dass sie
deutliche Mengen intraabdominalen Fetts abgebaut hatten, das sich als
Depotfett um die inneren Organe herum anlagert. Aus diesem Ergebnis
schließt Ball, dass Fitnesstraining offensichtlich günstigen Einfluss
auf die Stoffwechselvorgänge hat, was er als besonders
gesundheitsfördernden Aspekt hervorhebt, da dem Fett an den inneren
Organen eine erhebliche Bedeutung bei der Entstehung des metabolischen
Syndrom zukommt.
Dennoch zeigte sich auch eine leichte Abnahme von
Muskelmasse, so dass sich die Körperzusammensetzung insgesamt nicht
positiv verändert hatte. Dieses überraschende Resultat versucht Ball
damit zu erklären, dass die Teilnehmer die Kalorienzufuhr reduzierten,
obwohl dies nicht vorgesehen war. Außerdem nimmt er an, dass die
Teilnehmer das Krafttraining vernachlässigt haben und den Schwerpunkt
auf das Ausdauertraining gelegt haben.
Ball weist darauf hin, dass vorherige Studien gezeigt haben, dass
Krafttraining effektiv zu einer Reduzierung des Körperfettanteils
beiträgt.
Diskussion
Stephen Ball sieht den entscheidenden Nachteil der
Weight-Watchers-Diät im Abbau der Muskelmasse, der einen Risikofaktor
für spätere Stoffwechselerkrankungen bildet. Denn da der Energieumsatz
in Muskeln deutlich höher ist als im Fettgewebe, verlangsamen sich
durch diese Entwicklung die Stoffwechselvorgänge insgesamt. Weiterhin
birgt das intraabdominale Fett, dem ohne Bewegung nicht zu Leibe zu
rücken war, besonders hohe Risiken für Herz- und
Kreislauferkrankungen. Andererseits liegt für Ball ein beachtlicher
Vorteil in der Motivationswirkung und Kontrollfunktion einer
organisierten Gruppe wie Weight Watchers.
Die hohe Abbrecherquote und die mäßigen Ergebnisse in der
Fitnesscentergruppe unterstreichen die Bedeutung einer guten
Trainingsbetreuung. Eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio allein ist
kein Garant dafür die gewünschten Ziele auch zu erreichen. Sofern das
Studie keine kompetenten Trainer bietet, sollte man in Erwägung
ziehen sich einen Personal Trainer zu engagieren oder sich
Unterstützung in unserem Forum zu holen.
Im Ergebnis rät er dazu, die gesundheitlichen Vorteile des
Fitnesstrainings mit der Gruppenwirkung zu verbinden. Am besten sei
die Kombination aus Sport und disziplinierter Ernährung in einer
Gemeinschaft, die das Durchhalten erleichtert. Wer nach dem Weight
Watchers System abnimmt, sollte dies unbedingt mit sportlicher
Aktivität, vorzugsweise Kraftsport, verbinden um dem Jojo-Effekt
effektiv vorzubeugen.
Quellen:
Comparison of a commercial weight loss program to a fitness center
Eigenes Interview mit Steven Ball
Comparison of a commercial weight loss program to a fitness center
Eigenes Interview mit Steven Ball
