Makronährstoffverteilung und Abnahmeerfolg

Fett, Kohlenhydrate, Protein: Vor dem Körper sind alle Kalorien gleich

Dieses Jahr wird alles anders, dieses Jahr wird den überflüssigen Pfunden wirklich und ein für allemal zu Leibe gerückt. Diesen Vorsatz fassen jedes Jahr wieder unzählige Bewohner der westlichen Industrienationen. Der Wille scheint stark, lediglich eine geeignete Diät muss noch gefunden werden. Aber was ist die richtige Diät?
Eine Vielzahl von Autoren, selbst ernannten Fitnessgurus und nicht zuletzt ein ganzer (gut verdienender!) Industriezweig weiß angeblich genau, wie die Verteilung der so genannten Makronährstoffe, also Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß (Proteine), in der Ernährung sein muss, damit es mit dem Abnehmen klappt. Vor allem Diäten, die Wert auf einen niedrigen Kohlenhydratanteil zugunsten eines höheren Eiweißanteils legen, sind in den letzten Jahren stark auf dem Vormarsch, auch dank vieler Prominente, die auf „low-carb“ schwören.
Wissenschaftler der Harvard School of Public Health in Boston und des Pennington Biomedical Research Center der Louisiana State University haben sich mit genau dieser Thematik beschäftigt. Mit einem überraschenden Ergebnis: die Zusammensetzung der Nahrung ist für den langfristigen Erfolg einer Diät vollkommen egal, denn nur die zugeführte Menge an Kalorien entscheidet über den Abnehmerfolg.

Viele Studien sind zu kurz

Es existieren viele Studien, die den Vorteil der einen oder anderen Ernährungsweise offenbar beweisen, doch häufig können die Ergebnisse nicht verallgemeinert werden. Zudem dauern die meisten dieser Studien selten länger als ein Jahr, was deshalb von Bedeutung ist, weil normalerweise der größte Gewichtsverlust zwischen 6 und 12 Monaten nach Beginn einer Diät zu beobachten ist. Danach aber steigt das Gewicht häufig zwar langsam, aber stetig wieder an. Daher entschieden sich die Forscher nun bewusst dafür, ihre Studie auf einen Zeitraum von insgesamt 2 Jahre anzulegen und aufgrund einer heterogeneren Auswahl an Probanden Ergebnisse zu erhalten, die für viele andere Menschen zutreffen können.

Die Methode

Insgesamt wurden für die bisher größte und langfristigste Diätstudie 811 übergewichtige oder adipöse Teilnehmer zwischen 30 und 70 Jahren rekrutiert, von denen jeder vierte die Studie beendete. Sie wurden zufällig einer von vier Diätformen zugeteilt. Dabei waren die Anteile an Makronährstoffen folgende (jeweils in % Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate): 20/15/65, 20/25/55, 40/15/45 und 40/25/35. Alle Diäten beinhalteten ähnliche Lebensmittel und hielten sich an gängige Richtlinien zur Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten. Insbesondere wurde darauf geachtet, dass alle Teilnehmer genügend ungesättigte Fettsäuren, genügend Ballaststoffe und wenig Cholesterin zu sich nahmen. Alle Probanden sollten ihre Ernährungsgewohnheiten dokumentieren und wurden gebeten, wöchentlich 90 Minuten moderaten Sport zu treiben, wodurch eine negative Kalorienbilanz von etwa 750 kcal pro Tag erreicht werden sollte. Alle Patienten erhielten über den gesamten Zeitraum Gruppen- sowie Einzelbetreuung.

Ähnliche Ergebnisse in allen Gruppen

Nach 6 Monaten hatten alle Teilnehmer im Schnitt 6kg verloren, das entspricht etwa 7% des Ausgangsgewichts und nach ca. 12 Monaten war wieder eine langsame Gewichtszunahme zu beobachten. Insgesamt betrug der durchschnittliche Gewichtsverlust 4kg, wobei ca. 15% der Teilnehmer mindestens 10% ihres Ausgangsgewichts verloren. Nach 2 Jahren war der Gewichtsverlust bei denen, die eine Diät mit jeweils 15% und 25% Eiweißanteil gemacht hatten jeweils 3kg und 3,6 kg. Bei denjenigen, bei denen die Ernährung zu 20% bzw. zu 40% aus Fett bestand, wurde ein Gewichtsabnahme um 3,3kg gemessen und in der Gruppe, die eine Diät mit 65% bzw. 35% Kohlenhydrate durchgeführt hat wurden eine Abnahme um 2,9kg und 3,4kg gemessen.
Auch Sättigungs- und Hungergefühle und die Zufriedenheit mit der Diät waren in allen Gruppen ähnlich. Die Teilnahme an den Gruppensitzungen unterschied sich nicht signifikant voneinander, wobei allerdings auffiel, dass die Anwesenheit mit einem Gewichtsverlust in Zusammenhang zu stehen scheint. Risikofaktoren wie Cholesterin-, Fett- und Blutzuckerwerte verbesserten sich bei allen Probanden, wobei einige Diäten tatsächlich bestimmte Blut- oder Fettwerte günstig beeinflussen. So fanden die Forscher etwa heraus, dass die kohlenhydratreiche sowie die beiden fettarmen Ernährungsweisen im Vergleich mit den fettreicheren aber auch der kohlenhydratarmen Diät bei den Probanden zu einer Verbesserung der „schlechten“ LDL-Cholesterin-Werte führten. Die kohlenhydratarme Kost begünstigte aber auch den Anstieg des „guten“ HDL-Cholesterin-Wertes.

Bestimmte Diät kann sinnvoll sein

Für bestimmte Menschen kann es also aufgrund individueller gesundheitlicher Dispositionen durchaus sinnvoll sein, sich für eine Diät zu entscheiden, die nicht nur zu einem Gewichtsverlust führt, sondern auch noch bestimmte Risikofaktoren günstig beeinflusst. In einem solchen Fall kann eine maßgeschneiderte Ernährung, die alle Vorlieben und persönlichen Faktoren mit einbezieht, langfristig tatsächlich am sinnvollsten und erfolgversprechendsten sein. Jedoch führt an der simplen Weisheit kein Weg vorbei: wer abnehmen will muss auf eine negative Energiebilanz achten und mehr Kalorien verbrennen als zu sich nehmen.

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